Das war Deutschlands gefährlichster Beruf

Die Seefischer Uwe von Coelln (Mitte) und Jan von Holt freuen sich über die beiden großen Kabeljaus. (Foto: Archiv Kurt Wagner)

Kurt Wagner veröffentlicht Bildband über Finkenwerder Seefischer

Schon als kleiner Junge hat sich Kurt Wagner für die Seefischerei begeistert. Damals beobachtete er das rege Treiben im Kutterhafen. Später, als junger Mann, lauschte er den Geschichten der Seeleute in deren Stammkneipe „Zum Schifferhaus“ am Auedeich. Sie erzählten von gefährlichen Stürmen, außergewöhnlichen Fängen und der schweren Arbeit auf den Kuttern. „Ich fand das faszinierend“, erinnert sich der 78-Jährige. Während seine Freunde nach und nach selbst in See stachen, blieb Wagner im Hafen. Doch die Faszination für die Seefischerei ließ ihn niemals los. Jetzt hat der Hobbyhistoriker ein Buch über die Seefischer geschrieben. Es ist bereits seine zehnte Veröffentlichung über die Geschichte seiner Heimat.
Das besondere an „Die Seefischer von Finkenwerder“ sind die rund 200 spektakulären his-torischen Fotos – die meisten sind bisher noch unveröffentlicht. „Jedes dieser Fotos erzählt eine Geschichte“, sagt Wagner. Die Mehrzahl der Bilder stammt aus dem Archiv des Kulturkreises Finkenwerder, viele hat Wagner jedoch von ehemaligen Seefischern bekommen. Denn als sich sein Projekt in Finkenwerder herumsprach, kamen viele mit ganzen Fotoalben bei ihm vorbei. Insgesamt hat Wagner so 1.200 Bilder zusammengetragen, von denen ein Teil bereits im vergangenen April bei einer Ausstellung zu sehen war.
„Die Geschichte der Finkenwerder Seefischer ist sehr spannend. Das war mal der gefährlichste Beruf Deutschlands“, erzählt Wagner. Bis zu 14 Tage lang waren die Finkenwerder Fischer in Nordsee und Ostsee unterwegs, um Heilbutt, Hering, Scholle und Kabeljau zu fangen. Dabei waren die Segelkutter ohne Motor und moderne Technik den Naturgewalten nahezu schutzlos ausgeliefert. Die Konsequenz: Zwischen 1887 und 1912 sanken rund 100 Schiffe auf See, 260 Fischer verloren ihr Leben. Bei einem schweren Sturm im Dezember 1909 gingen acht Kutter in der Nordsee unter. „Das war eine nationale Tragödie“, sagt Wagner.
Wie wichtig die Arbeit der Fischer für Finkenwerder war, zeigte sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals sorgten sie dafür, dass die Bewohner der Elbinsel genug zu essen hatten. In Finkenwerder habe die Fischerei immer den Alltag bestimmt, erzählt Wagner. Wenn die Kutter ausliefen, blieb sogar das Fußballfeld leer, denn ohne die Seeleute fehlte ein großer Teil der Mannschaft.


Kurt Wagner: „Die Seefischer von Finkenwerder“, Sutton Verlag, 19,95 Euro, 128 Seiten, ISBN 978-3-95400-277-1, im Buchhandel erhältlich
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