„Das ganze Haus hat gewackelt“

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In Ruhe in ihrem Mietergarten oder auf dem Balkon sitzen, können Merve Karatepe, Heiko Schulze und Monika Neugebauer nicht mehr, denn auf dem Nachbargrundstück dröhnen seit Ende Mai die Baumaschinen.
 
Hier entsteht eine neue Zweifeld-Sporthalle. Im Hintergrund steht die alte Turnhalle der Schule Lange Striepen, die abgerissen werden soll.

Saga-Mieter im Hardauring beschweren sich über Dauerlärm von der Baustelle gegenüber

Eigentlich wollte sich Monika Neugebauer nach einer Operation zu Hause erholen. Doch die Neuwiedenthalerin klagt: „Das geht nicht. Der Lärm ist kaum auszuhalten!“ Gegenüber ihrer Wohnung im Hardauring wird auf dem Gelände der Schule Lange Striepen eine Turnhalle gebaut. Seit dem 21. Mai rollen Bagger und Lkw auf dem ehemaligen Spielplatz umher. „Zuletzt wurde die Erde festgeklopft. Das ganze Haus hat gewackelt“, berichtet Sabine Adler, ebenfalls Mieterin im Hardauring, und fügt wütend hinzu: „Dass die uns hier eine Halle direkt vor die Nase setzen, ist eine Frechheit.“
Die Bewohner der Saga-Häuser im Hardauring 28 und 30d wollen sich gegen den Bau wehren. Mieter Heiko Schulze hat einen Brief an die Behörde verfasst und 32 Unterschriften von seinen Nachbarn gesammelt. „Wir fordern einen Baustopp“, sagt er. Seine Befürchtung: Auch nach den Bauarbeiten werden er und seine Nachbarn keine Ruhe mehr haben. Schulze: „Wenn gegenüber die Bas-ketbälle auf den Boden donnern, dann hören wir das doch hier. Und abends, wenn die Sportvereine die Halle nutzen, wird es auch laut sein.“
Er kritisiert, dass die neue Sporthalle so dicht vor den Wohnblock und die vorgelagerten Mietergärten gebaut wird. Zudem steht auf dem Schulgelände bereits eine Halle, die demnächst abgerissen werden soll. „Warum wird die neue Halle nicht an die gleiche Stelle gebaut? Dort gibt es keine direkten Nachbarn, und sie würde niemanden stören“, sagt Schulze. Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, die für Schulbauten zuständig ist, erklärt: „Wir bauen die neue Halle jetzt und reißen erst danach die alte ab, damit der Schule und den Sportvereinen weiter eine Sportstätte zur Verfügung steht.“ Die Sorge der Bewohner, in Zukunft vom Sportunterricht gestört zu werden, will er nicht gelten lassen. Stricker: „Nach der neuen Lärmschutz-Verordnung ist Kinderlärm keine unzumutbare Belästigung mehr!“
Auch Kerstin Matzen, Sprecherin der städtischen Wohnungsgesellschaft Saga, macht den lärmgeplagten Mietern keine Hoffnung. Sie müssten sich mit der Halle abfinden. „Die Turnhalle ist ein Bau von öffentlichem Interesse“, sagt Matzen knapp.

Ärger mit Lärm? Das rät der Mieterverein:
Wenn die Wohnqualität erheblich durch Lärm eingeschränkt wird, ist es möglich, die Miete zu mindern. „Wir empfehlen Mietern sich mit ihrem Vermieter in Verbindung zu setzen und zu erklären, dass man die Miete ab sofort unter Vorbehalt der Minderung zahlen würde“, erklärt Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg. Im Anschluss könnten in Ruhe Beweise gesammelt werden. Bei Lärm sollte man ein Protokoll führen und festhalten, wann es zu laut gewesen ist. „Dabei ist es egal, ob die Quelle der Beeinträchtigung auf dem Grundstück liegt oder nicht“, erklärt Chychla und fügt an: „Außerdem entscheidet nicht der Vermieter nach Gutsherrenart, wer berechtigt ist die Miete zu mindern und wer nicht. Das ist gesetzlich geregelt.“ Er empfiehlt eine Beratung beim Mieterverein, zum Beispiel im Harburger Beratungszentrum, Hölertwiete 2, Terminvergabe unter Tel. 87 97 90.
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