Chorleiter missbrauchte Jungen

Pastor Ulrich Krüger ist erschüttert über den Missbrauchsfall, der sich vor 20 Jahren in der Thomasgemeinde ereignet hat.

Missbrauchsfall in der Thomaskirche Hausbruch wird nach 20 Jahren bekannt

Schock in der Thomaskirche: Vor 20 Jahren soll der ehrenamtliche Posaunenchorleiter R. D. einen damals etwa zwölfjährigen Jungen sexuell missbraucht haben. Bekannt wurde der Fall, weil sich der Vater des Betroffenen per E-Mail beim Kirchenkreis Ost meldete. Daraufhin setzte sich der Präventionsbeauftragte der Nordelbischen Landeskirche mit ihm in Verbindung.
Die Stelle des Präventionsbeauftragten wurde eingerichtet, nachdem 2010 Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche bekannt wurden – damals in einer Gemeinde in Ahrensburg. Es habe inzwischen auch Gespräche mit dem Betroffenen selbst gegeben, so Remmer Koch, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Die Kirche will das Opfer dabei unterstützen, passende Beratungs- oder Therapieangebote zu finden, um das Erfahrene aufzuarbeiten.
Pastor Ulrich Krüger von der Thomaskirche ist erschüttert über den Missbrauchsfall. „Es hat keinerlei Hinweise gegeben. Das geht ins Mark“, sagt er. Gemeinsam mit seinen beiden Kollegen hat er den Beschuldigten zur Rede gestellt. „Er hat die Tat zugegeben“, sagt Krüger. Der Mann hat inzwischen auf Vermittlung der Gemeinde eine Therapie begonnen. Aus dem Gemeindeleben hat er sich zurückgezogen und wird auch keine Gottesdienste mehr besuchen. Die Chorleitung hatte R. D. bereits 2007 aus gesundheitlichen Gründen abgegeben.
Die Gemeinde zieht jetzt weitere Konsequenzen und richtete ein Seelsorgehandy ein. „Wir müssen damit rechnen, dass es weitere Betroffene geben könnte“, befürchtet Krüger. Diese Personen können sich per Telefon oder E-Mail vertraulich an Pastor Dirk Outzen wenden (siehe Infokasten).
Während sich die Thomaskirche noch von dem Schock erholt, beschäftigt der Fall jetzt auch die Staatsanwaltschaft. „Wir prüfen, wie die geschilderten Taten rechtlich einzuordnen sind. Danach entscheidet sich, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird“, sagt Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sollte der Fall, wie zu erwarten ist, verjährt sein, werde nicht ermittelt. Das Opfer hat laut Vertretern der Kirche kein Interesse daran, rechtliche Schritte einzuleiten.


An diese Stellen können sich Betroffene wenden:
Seelsorgehandy der Thomasgemeinde: Tel 0170 609 40 96,
E-Mail: dirk.outzen@web.de
Nichtkirchliche Beratungsangebote: Beratungsstelle basis-praevent, Rainer Ulfers/Clemens Fobian (Fachberater), Tel. 398 42 661, basis-praevent@basisundwoge.de
Rechtsanwältin Gisela Friedrichs, Recht am Ring, Tel. 76 75 55 11, mail@rechtamring.de
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.