Beinahe totgeprügelt – ging es um Geld?

Ihr Gesicht vor den Kameras der Fotografen verdeckt, verlassen zwei der angeklagten Brüder, Sedat (hinten) und Mirsad, den Gerichtsaal.

Drei Serben und ihr Vater stehen wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Totschlag vor dem Landgericht

Was sich am späten Nachmittag des 18. Mai 2012 an der Kreuzung Schlossmühlendamm/Sand abgespielt haben soll, klingt wie eine Szene aus einem Krimi: Muzlija H. (44) und seine Söhne Mirsad (26), Sedat (24) und Esat (24) sollen mit ihrem Opel einen Audi blockiert haben, um dann den Kongolesen Joseph M. vom Rücksitz zu zerren und zu verprügeln. Sie malträtieren den 42-Jährigen mit Faustschlägen und Fußtritten, schlagen ihn mit einer Krücke, und dann sticht Muzlija H. mit einem Messer auf Bauch und Rücken des Opfers ein. Joseph M. wird so schwer verletzt, dass nur eine Notoperation sein Leben retten kann.
Jetzt müssen sich die drei Brüder wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten. Ihrem Vater, der nach Belgien flüchtete, im August geschnappt wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt, wird versuchter Totschlag vorgeworfen.
Familienvater Muzlija H. betritt als letzter den Gerichtsaal. Der ordentlich in Anzugshose und Hemd gekleidete, dunkelhaarige Mann dreht sich lächelnd und winkend zum Zuschauerraum um. Rund 50 Freunde und Verwandte der Angeklagten sind zum Prozessauf-takt gekommen. Bevor sich der Serbe zwischen seinen Anwalt und die Dolmetscherin setzt, fällt ihm sein Sohn Esat laut schluchzend um den Hals. Auch er und seine Brüder wirken gepflegt, tragen ihr schwarzes Haar kurz und die Bärte sauber gestutzt.
Kaum vorstellbar, dass diese vier adretten Männer einer derart brutalen Tat fähig sind. Doch Muzlija H. und einer seiner Söhne haben bereits Teilgeständnisse abgelegt. Aussagen wollen die vier Männer dennoch erst bei der nächsten Verhandlung. Bei einem Geständnis blühen Muzlija H. vier bis fünf Jahre Haft, so die Richterin.
Auch das Motiv für die Gewaltorgie ist noch zu klären. Laut Staatsanwalt schuldete Joseph M. den Serben einen beträchtlichen Geldbetrag. Doch der Kongolese ist selbst kein unbeschriebenes Blatt. Gegen ihn wird wegen räuberischer Erpressung ermittelt.
Vor dem Gerichtsaal präsentiert der Vater einer Zweijährigen den Journalisten die Narben auf seinem Bauch und Rücken. „Ich habe Schmerzen und kann nicht schlafen“, sagt er. Laut Richterin hat M. von den Angeklagten bereits eine vierstellige Summe erhalten.
Das Verfahren ist auf insgesamt elf Termine angesetzt und geht diesen Freitag weiter.
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