Bald (noch) längere Wartezeiten?

Jede Menge unbezahlter Rechnungen und Ebbe im Geldbeutel: Dieser Schuldenfalle kann man nur schwer entrinnen. (Foto: Michael Staudinger/pixelio)

Einkommensgrenzen gesenkt: Mehr Menschen haben Anspruch auf kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung

von Olaf Zimmermann, Süderelbe
Jobverlust, Trennung vom Partner, längere Krankheit - und auf einmal steht auch noch der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Meist sind es persönliche Katastrophen, die Menschen so tief in den Schuldensumpf treiben, dass sie sich daraus selbst nicht mehr befreien können. Hilfe und Unterstützung erhalten Betroffene im Bezirk Harburg bei der Hamburger Schuldner- und Insolvenzberatung (HSI) im Martin-Leuschel-Ring.
Gerade hat die Sozialbehörde die Einkommensgrenzen gesenkt. „Dadurch werden mehr Menschen mit wenig Geld in der Tasche eine kostenlose Schuldnerberatung in Anspruch nehmen können“, bestätigt Olaf Dittmann, Sprecher der Sozialbehörde.
Werden die Beratungsstellen die zu erwartende Mehrarbeit bewältigen können? Schon jetzt müssen Hilfesuchende lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Sie liegt bei drei bis vier Monaten“, bestätigt Matthias Butenob. Der Jurist leitet die HSI-Schuldnerberatung in Harburg. Dort teilen sich zwölf Mitarbeiter insgesamt 8,5 Beratungsstellen.
Das Team aus Juristen, Bankkaufleuten und Sozialpädagogen kümmert sich bislang pro Jahr um rund 500 Menschen. Matthias Butenob: „Mal genügen fünf Gespräche, mal sind es ein Dutzend oder gar mehr. Häufig ist zunächst die sogenannte Existenzsicherung zu leisten, bei anderen ist dies zum Glück kein Thema.“
Mehr Geld für die Schuldnerberatungsstellen hat die Sozialbehörde nicht spendiert. Hamburgweit stehen unverändert 3,88 Millionen Euro zur Verfügung. Matthias Butenob: „Deswegen wird unser Personal auch nicht aufgestockt.“ Es drohen noch längere Wartezeiten. „Für dringende Notfälle gibt es aber Notfallsprechstunden“, so Butenob. Notfallzeiten sind: Telefonisch: S 41 36 08-0, montags 10 bis 12 Uhr und dienstags 14.30 bis 16.30 Uhr. Persönlich: mittwochs von 10 bis 12 Uhr.
Mehr Infos gibt es bei der H.S.I. – Hamburger Schuldner- und Insolvenzberatung, Martin-Leuschel-Ring 14, oder
im Internet auf www.soziale-schuldnerberatung-hamburg.de

INFO:
Sechs private Einrichtungen bieten zurzeit an zehn Standorten in Hamburg Schuldner- und Insolvenzberatung an. Für die meisten Hilfesuchenden ist die Beratung kostenlos. Anspruchsberechtigt sind alle Menschen, die nur ein geringes Netto-Haushaltseinkommen haben oder die staatliche Leistungen beziehen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Wer über den Einkommensgrenzen liegt, muss für die Beratung 150 Euro berappen.
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