Aufwind über der Fischbeker Heide

Der erfahren Pilot Torben Jacob steuert seinem Flieger in eine enge Dauerkurve, um die örtlich begrenzten Aufwinde wie einen Fahrstuhl nach oben zu nutzen und sich in die Höhe zu schrauben. (Foto: Steffen Kozieraz)

Viele Mitflieger beim Tag der offenen Tür des Segelclub Fischbek

von Steffen Kozieraz, Fischbek
Wer schon mal durch die Fischbeker Heide spazierte, hat sie vielleicht beobachtet: Die Segelflieger, die plötzlich von einer Seilwinde steil in den Himmel gezogen werden und nur Sekunden später bereits Hunderte Meter hoch schweben. Dann klinkt das Seil aus, und während es an einem Fallschirm zu Boden geht, schraubt sich der weiße Flieger kreisend der Sonne entgegen, immer höher und höher hinauf. Wie es wohl wäre, jetzt dort oben drin zu sitzen? Das wollten vor kurzem so Einige wissen und nutzten den Tag der offenen Tür des Segelflug-Clubs Fischbek, um mit einem erfahrenen Piloten im Doppelsitzer in die Luft zu gehen.
Vorher heißt es: Gurt anlegen. „Daran wird der Fallschirm befestigt,“ erklärt Vielflieger Sönke Burger. Aber den habe hier noch niemand benutzen müssen, fügt er beruhigend hinzu. „Der Flugbetrieb ist eigentlich sehr sicher. Oben in der Luft vergisst du den ganzen Stress am Boden“, schwärmt Burger, der schon seit 14 Jahre auf diesen Verein fliegt.
Seit 1960 dabei ist die zweite Vorsitzende Heike Capell, die erklärt, wie man Segelflieger wird. Ihr Verein bildet Flugschüler aus. Schon mit 14 Jahren könne man anfangen. Nach 50 Starts mit Fluglehrer, darf der Schüler seinen ersten Alleinflug wagen. „Das war für mich das Aufregendste im ganzen Fliegerleben“, erinnert sich die 71-Jährige mit glänzenden Augen. Für 17-Jährige ist dann der Flugschein möglich. Doch: Die derzeit 70 Vereinsmitglieder investieren sehr viel Zeit am Boden – Seile einholen, Winde fahren, das Flugzeug aus dem Lan-
defeld schieben.
Und ohne Thermik ist der Flug nach nur drei Minuten beendet. Torben Jacob segelte schon mal neun Stunden lang nonstop von Fischbek bis kurz vor Polen. Mit geschultem Blick für einen Thermik-Spot steuert er auf eine Wolke zu. „Dort ist die warme Luft gerade aufgestiegen und kondensiert. Ich hoffe, dass wir sie noch erwischen,“ sagt er. Und schon kippt der Horizont zur Seite. Der Flieger beginnt wie ein Karussell zu kreisen. „Wir steigen mit 1,4 Meter pro Sekunde,“ freut sich Torben Jacob. Das wird kein Drei-Minuten-Flug und die fantastische Aussicht entschädigt für ein leichtes Schwindelgefühl.
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