Auf der Suche nach NS-Opfer Hermann

Wilma Luth, Julia Klindworth, Nele Barghusen, Lefke Sandrock (alle Gymnasium Finkenwerder, zwölfte Klasse) und Rumeysa Yigit (Stadtteilschule Finkenwerder, Klasse 13, v.l.) vor dem Stolperstein für Hermann Quast. (Foto: GymFi)

Erster Stolperstein auf Finkenwerder: Schülerinnen bekommen für Spurensuche den Bertini-Preis

Finkenwerder – Hermann Quast war erst sieben Jahre alt, als er ermordet wurde. Sein Schicksal erforschten fünf Oberstufenschülerinnen und setzten sich dafür ein, dass seit letztem März ein Stolperstein in der Benittstraße 26 an ihn erinnert. Über diesen ersten Stolperstein in Finkenwerder erstellten die Forscherinnen eine Dokumentation. Für ihr Engagement wird ihnen Ende Januar der Bertini-Preis verliehen.

Was ist der Bertini-Preis?
Der Preis wird an junge Menschen verliehen, die Spuren vergangener Unmenschlichkeit in der Gegenwart sichtbar machen.
Der Name des Preises geht zurück auf den Roman „Die Bertinis“, in dem der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano (20. März 1923 – 10. Dezember 2014) das Schicksal seiner Familie und das Verhalten ihrer Hamburger Mitbürger während der Verfolgung in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert.

Wie kam das Schicksal von Hermann Quast zu Tage?
Fünf Schülerinnen der gemeinsamen Oberstufe des Gymnasiums und der Stadtteilschule Finkenwerder führten eigenständig das Schulprojekt „Leben mit Behinderung“ fort. Sie forschten im Archiv der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.
Unterstützt wurden Nele Barghusen, Julia Klindworth, Wilma Luth, Lefke Sandrock und Rumeysa Yigit dabei von Hannelore Fielitz, Lehrerin am Gymnasium Finkenwerder, und Klaus Möller, Sprecher der „Initiative Gedenken in Harburg“.

Was fanden sie heraus?
Hermann Quast fiel dem staatlich organisierten Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer. Er wurde ermordet, weil er – wie es in der Begründung heißt – „weder geistig noch körperlich seinem Alter entsprechend entwickelt“ war.

Wozu führten die Forschungsergebnisse?
Die Schülerinnen setzten sich dafür ein, dass im März 2015 ein Stoplerstein vor dem ehemaligen Wohnhaus von Hermann Quast verlegt wurde und erstellten eine
Dokumentation über sein
Schicksal.

Was ist das Besondere an Stolpersteinen?
Den Stein entwarf der Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an Menschen ohne Grabstätte, die unter dem NS-Regime ums Leben kamen. Sie werden nicht vom Staat in Auftrag gegeben, sondern von Menschen, die vor Ort wohnen und aus Spenden bezahlt. Bislang gibt es 40.000 Steine in 18 europäischen Ländern.

Wann ist die Preisverleihung?
Der Bertini-Preis wird am 27. Januar 2016, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, an die insgesamt fünf Preisträger im Ernst Deutsch Theater vergeben.
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