Auf den Spuren der Naziherrschaft

Die jährliche Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Naziterrors am Rüschweg gehört für Ingeborg Luth (l.) und Helmke Kaufner selbstverständlich mit zu ihrer Arbeit. (Foto: Annekatrin Buruck)

Finkenwerder Arbeitskreis klärt über die Geschichte des KZ Außenlagers Deutsche Werft auf

von Anna Buruck, Finkenwerder
Als sie 1996 den Dänen Ernst Nielsen kennenlernten, war für Ingeborg Luth und Helmke Kaufner klar: Die Geschichte des ehemaligen Zwangsarbeiters auf der Deutschen Werft in Finkenwerder durfte nicht in Vergessenheit geraten. Gemeinsam mit der damaligen Pastorin Hannegreth Riepkes gründeten sie Anfang 1997 den Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme.
Seitdem sind die beiden Frauen auf den Spuren der Naziherrschaft in ihrem Heimatort und haben schon so manches Schicksal zutage gefördert. Der Überlebende Ernst Nielsen war dabei der erste Zeitzeuge, der ihnen Genaueres von dem Lager bei der Deutschen Werft erzählte. „Er war damals Maschinenbaustudent und hat uns einen Plan des Lagers aus dem Kopf gezeichnet“, erinnert sich Ingeborg Luth. Auch die ehemaligen Häftlinge Alfred Cornut aus Belgien und Iwan Iwanowitch Chitailow aus der Ukraine haben von ihrer Leidenszeit berichtet. „Chitailow hat erzählt, wie er als Zwölfjähriger von der Straße weg verschleppt wurde und schließlich nach Finkenwerder kam“, erzählt Ingeborg Luth. Auf der Werft musste er U-Boote anstreichen.
„Viele Menschen haben erst durch unsere Arbeit von den Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge auf Finkenwerder erfahren“, weiß Ingeborg Luth. Seit nunmehr 14 Jahren lädt der Arbeitskreis zu Veranstaltungen ein, die das Erinnern wach halten. Neben Gesprächen mit Zeitzeugen gehören dazu geschichtliche Rundgänge durch Finkenwerder, zum Beispiel zur Ostfrieslandstraße 16. „Aus diesem Haus ist über Nacht ein jüdisches Ehepaar verschwunden“, erzählt Ingeborg Luth.
Seit 1994 ist die rüstige Rentnerin auch den NDR-Hörern bekannt. Bei ihren plattdeutschen Andachten hat Ingeborg Luth wiederholt von ihren Gesprächen mit den ehemaligen Zwangsarbeitern erzählt. Vor zwei Jahren erhielt der Arbeitskreis von der Stiftung Auschwitz-Komitee für seine Arbeit den Hans-Frankenthal-Preis – benannt nach einem ehemaligen Häftling in Auschwitz.
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