Arztpraxis auf vier Rädern

Das Kranken- und Zahnarztmobil ist jetzt auch in Harburg unterwegs. Hier werden Obdachlose schnell und unbürokratisch medizinisch versorgt. Die Mobile Hilfe ist ein Projekt der Caritas Hamburg.

Im Kranken- und Zahnarztmobil können sich Obdachlose kostenlos und ohne Formalitäten behandeln lassen

Karin Istel, Harburg - Langsam und vorsichtig klettert der Mann die wenigen Stufen ins Krankenmobil. Seinen rechten Arm hat er angewinkelt und bewegt ihn nur ganz vorsichtig. „Die Hand ist gebrochen“, unterrichtet er die Ärztin. Die lässt den Patienten erst einmal auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen, um sich die Verletzung in Ruhe anzusehen. Der Mann in der schwarzen Lederjacke ist einer von sieben Hilfsbedürftigen, die an diesem Donnerstagnachmittag das Krankenmobil auf dem Rathausmarkt zu einer
kostenlosen Behandlung aufsuchen.
Vorsichtig tastet die Ärztin die Hand ab. „Nein, sie ist nicht gebrochen“, lautet die beruhigende Diagnose. Schwester Annette Antkowiak nimmt ein Stückchen Mull, drückt Salbe aus der Tube darauf, legt es auf den geschwollenen Handrücken und wickelt eine blaue, elastische Binde um die lädierte Hand. „Und jetzt noch die Schmerztabletten“, erklärt die Ärztin ihrem Patienten. Um die Tablettenpackung zu erreichen, muss sie sich nur ein wenig nach rechts drehen. Viel Platz ist hier im Krankenmobil nämlich nicht.
„Wir geben hier nur Medikamente aus, die nicht süchtig machen“, sagt Schwester Annette. „Alle Medikamente sind gespendet oder von Spenden gekauft.“
Nach der Behandlung möchte der Patient möglichst schnell wieder raus zu seinen wartenden Freunden. „Nicht so schnell“, bittet ihn der Fahrer des Mobils freundlich und nimmt am Laptop Platz. Name und Herkunftsland werden im PC festgehalten. „Das war´s. Tschüß!“ Sichtlich erleichtert verlässt der Mann mit der leichten Alkoholfahne den Kleinbus, während Schwester Annette noch die Medikation für „die Akte“ herunterrasselt. Denn nicht immer fährt die selbe Besatzung im Krankenmobil mit. Und wann der Mann aus Usbekistan wieder zum Krankenmobil kommt, ist ungewiss. Damit auch die Kollegen wissen, wie er behandelt wurde, werden diese wenigen Daten festgehalten.
Das Krankenmobil ist ein Projekt der Caritas Hamburg. Seit 1995 ist das Krankenmobil auf den Straßen Hamburgs unterwegs, um kranken und obdachlosen Menschen eine ambulante medizinisch-pflegerische Versorgung anzubieten.
Das Team aus Krankenpflegekräften und ehrenamtlichen Ärzten ist jetzt auch in Harburg unterwegs.

Krankenmobil
do, 15-16 Uhr
Zahnarztmobil
jeweils zweiter und dritter Freitag im Monat
10-12 Uhr am Brunnen Harburger Rathausplatz

Infos zum Projekt
Das medizinische Versorgungsangebot ist Teil des Projektes „Zentrum zur sozialen Integration suchtgefährdeter Menschen im Hans-Fitze-Haus“.
Nach Eröffnung des so genannten „Trinker-Treffs“ – wahrscheinlich im Sommer – werden beide Mobile beim Hans-Fitze-Haus in der Hans-Fitze-Straße 1 stehen.
Das Projekt wird mit Mitteln des europäischen Sozialfonds (ESF), der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) und des Bezirks Harburg über drei Jahre gefördert.
Der Träger ist passage gGmbH.
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