Apfelsaison eröffnet, Ernte wird mager

Die 14 Monate alte Labrador-Hündin Emma lässt sich auch gerne einen Apfel schmecken, aber nur Fallobst. „Wir konnten sie zum Glück schnell daran gewöhnen, dass sie sich die Äpfel nicht selbst vom Baum pflückt“, sagt Herrchen Hinrich Quast schmunzelnd.

Erst zu viel Regen, dann zu viel Sonne: Bauern im Alten Land erwarten rund 30 Prozent weniger Früchte

Strahlenden Sonnenschein wie heute hätte sich Hinrich Quast auch im Mai gewünscht. Doch als die vielen tausend Apfelbäume auf dem 26 Hektar großen Obsthof in der Nincoper Straße blühten, regnete es fast durchgehend in Strömen. „Bienen fliegen bei Regen nicht“, erklärt der 25-Jährige, der den Biohof gemeinsam mit seinem Vater und Bruder bewirtschaftet. Durch die schlechte Witterung sind viele Blüten unbefruchtet vom Baum gefallen. Die Konsequenzen für die Apfelbauern sind hart: „Wir werden voraussichtlich 600 Tonnen Äpfel ernten. Das sind nur 60 Prozent der Vollernte“, so Quast.
Im Laufe des Sommers kamen auf die Apfelbauern noch weitere Probleme zu. Denn die Hitzewellen im Juli haben den süßen Früchten zugesetzt. „Starke Sonneneinstrahlung verursacht auch bei Äpfeln Sonnenbrand. Außerdem geraten Bäume bei zu hohen Temperaturen in Stress. Das bedeutet weniger Wachstum und weniger Früchte“, erklärt Quast, dessen Familie den Hof bereits in siebter Generation führt. Um die Äpfel zu kühlen, haben die Bauern ihre Beregnungsanlage eingesetzt, die sonst die Früchte vor Frost schützen soll. An besonders heißen Tagen wurden die Äpfel mittags bis abends beregnet. Das Wasser verdunstete und nahm dabei Wärme mit.
In den nächsten Tagen sind die ersten Frühsorten der Äpfel reif zum Ernten. Die Saison wird am Mittwoch mit einer großen Feier in Francop eröffnet, zu der auch Hamburgs Wirtschaftssenator Franz Horch geladen ist. Vielen Apfelbauern dürfte in diesem Jahr jedoch nicht zum Feiern zumute sein, denn die Ernte fällt überall im Alten Land mager aus. Laut Bauernverband Hamburg werden in dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Mitteleuropas voraussichtlich 200.000 Tonnen Äpfel geerntet. Das sind 30 Prozent weniger als 2012.
Für die Apfelbauern sind die Umsatzeinbußen nicht exis-tenzgefährdend, doch sie haben ganz konkrete Auswirkungen: „Das wird ein schwieriges Jahr, man wird nicht investieren und keine neuen Maschinen kaufen können“, sagt Reinhard Quast, Vizepräsident des Bauernverbandes Hamburg.
Vor steigenden Preisen für die süßen Früchte müssen Verbraucher jedoch keine Angst haben. Die Preise sollen laut Bauernverband ähnlich wie im vergangenen Jahr sein. „In der EU gab es eine normale Ernte. Das wirkt sich auf unsere Preise aus“, erklärt Reinhard Quast.
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