"Am Wochenende tote Hose"

„Abends ist hier tote Hose,“ kritisiert Kim Thonick. Seitdem die Diskothek „Balou“ weg sei, biete das „Donnerwetter“ die einzige Möglichkeit für junge Leute zum Ausgehen im Stadtteil. (Foto: Steffen Kozieraz)

Wochenblatt-Serie: Menschen erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Steffen Kozieraz, Neugraben
"Im Großen und Ganzen gut“, findet der 25-jährige Neugrabener Kim Thonick die Lebensqualität in seinem Quartier und verbucht einige nützliche Institutionen auf der Habenseite von Neugraben: eine Schwimmhalle, Ortsamt, Postamt, Kaufland, Apotheken und eine gute Verkehrsanbindung. Ein Kino fehle ihm zwar, doch höhere Ansprüche möchte er nicht stellen, denn: „Du kannst von Neugraben eben keinen so guten Mix an Geschäften erwarten wie in Harburg.“
Hier gebe es halt nur Billig-Ketten, so Kim Thonick, der in Harburg und Hausbruch aufgewachsen ist. Doch während tagsüber Kaufland, KIK und Wochenmarkt für Leben sorgten, herrsche hier abends tote Hose. „Es gibt hier überhaupt nichts zum Ausgehen,“ so der junge Erwachsene. Zum Neugrabener Bahnhof würde er nachts um zwölf lieber nicht gehen. „Dort ist mein Bruder mal von drei Typen überfallen und abgezogen worden“, erzählt der Altenpfleger. In den letzten zwei Jahren sei es dort schlimmer geworden. „Da hängen die 15 bis 17-Jährigen an der Bahnhofsuhr ab. Die haben keine Ziele in ihrem Leben und legen sich mit Leuten an,“ schildert Kim Thonick, der deshalb lieber an der Station Neuwiedenthal aussteigt.
Aus Neugraben möchte er weg, aber nicht aus der Süderelbregion. Er könne sich gut vorstellen, ins ruhige Hausbruch oder ins schöne Jork oder Neuenfelde zu ziehen. Dass die Neugrabener Innenstadt inklusive Einkaugszentrum SEZ in absehbarer Zukunft attraktiver gestaltet wird, glaubt er nicht. „Die haben schon oft erzählt, dass sie das neu machen wollen, doch nie ist etwas passiert.“ Von den Plänen für das Gelände der Röttiger Kaserne ist Kim Thonick enttäuscht, vor allem weil dort ausschließlich Wohnungen ohne jegliche Freizeitangebote entstehen sollen. „Die sollten lieber einen Mix aus Läden und Wohnungen bauen und dazu sowas wie einen Kletterpark, einen Abenteuerspielplatz, einen Sportplatz oder eine Schwimmhalle,“ findet er, denn es gebe auch so schon viel zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche im Gebiet Süderelbe.
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