Alte Pferdekoppel wird neues Biotop

Gisela Bertram freut sich über die drei Hektar Land, die sie für ihre Stiftung in Moorwerder gekauft hat. Sie will als nächstes die Gräben von Schilf und Schlick befreien, damit sich hier wieder Wassertiere ansiedeln.

Stiftung Altenwerder Ausgleich kauft drei Hektar Grünland in Moorwerder

Seit Oktober 2010 ist Gisela Bertram auf der Suche nach Land im Hamburger Süden. Vor Kurzem wurde die Geschäftsführerin der Stiftung Altenwerder Ausgleich in Moorwerder fündig: Hier kaufte die Biologin drei Hektar Grünland, das zuletzt als Pferdekoppel genutzt wurde und das sie jetzt aufwerten möchte. Das Ziel ihrer Stiftung ist, Ersatz für 200 Hektar wertvollen Naturraum zu schaffen, der mit dem Bau des Containerterminals in Altenwerder Ende der 90er Jahre zerstört wurde. Dafür stellte ihr die Stadt Hamburg nach einem Rechtsstreit sechs Millionen Euro zur Verfügung. Die Stiftung hat bereits 22 Hektar Land in Hausbruch, Gut Moor und Wilhelmsburg erworben. Etwa eine halbe Million ist noch für den Kauf weiterer Flächen übrig.
„Das Marschland mit Beeten und Beetgräben ist typisch für Moorwerder“, erklärt Bertram. „Im 14. Jahrhundert haben Menschen angefangen, Gräben zu ziehen und die Marsch urbar zu machen. Von dieser alten Kulturlandschaft gibt es in Moorwerder noch Reste.“ Zurzeit sind fast alle Gräben dicht mit Schilf bewachsen. Bis Ende Februar – rechtzeitig bevor im März die Frösche anfangen zu laichen – will die Naturschützerin das Schilf und etwa 70 Zentimeter Schlick aus den Gräben baggern lassen, und so dafür sorgen, dass wieder mehr Wasser hinein fließt. „Die Gräben sind wichtig, weil sie Wassertieren und Libellen Lebensräume bieten. Und am Grabenrand wachsen Pflanzen, die den Übergang zwischen trocken und feucht mögen“, so Bertram.
Der Neuerwerb sei aus biologischer Sicht sehr spannend, sagt sie: „Auf dem Acker in der Mitte liegt Elbsand. Der ist wahrscheinlich bei einem Deichbruch 1862 hergespült worden.“ Deshalb seien alle bisherigen Versuche gescheitert, hier Landwirtschaft zu betreiben, hätten ihr Bauern aus der Nachbarschaft erzählt. Schmetterlinge fühlten sich dort aber sehr wohl. So entdeckte Bertram, als sie im Sommer die Fläche zum ersten Mal unter die Lupe nahm, kleine Bläulinge, über dem Acker. „Ich war ganz glücklich darüber. Diese Schmetterlingsart gibt es nur noch selten in Hamburg“, sagt sie.
Auch einen Grasfrosch und ein paar Erdkröten hat Bertram vor Ort schon gesichtet. Ihr Ziel ist es, auf den drei Hektar Land möglichst gute Bedingungen für Tiere und Pflanzen zu schaffen, denen es in der Großstadt zunehmend an Lebensräumen fehlt. „Wir können kein Naturschutzgebiet erschaffen, aber wir können auf Inseln kleine Biotope errichten und so etwas für die Natur tun“, sagt die Biologin.

Ausgleich für Altenwerder Grün:
Die Stiftung Altenwerder Ausgleich sucht naturnahe Flächen südlich der Norderelbe, die sie unter verschiedenen Naturschutzzielen ent-
wickeln und pflegen will, um so die biologische Vielfalt zu fördern. Kontakt: Geschäftsführerin Gisela Bertram, Tel. 28 00 77 32, www.stiftung-ausgleich-altenwerder.de
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