Alte Pfeifen, neue Töne

Vorsichtig und mit dünnem Pinsel bessert Restauratorin Andrea Junken schadhafte Stellen am Orgelprospekt, so heißt die Verkleidung des Instruments, aus. (Foto: Annekatrin Buruck)

Am 14. Oktober wird die frisch renovierte Furtwängler-Orgel mit einem Konzert eingeweiht

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Drei Monate war sie außer Betrieb. Drei Monate, die Martin Fiedrich, Organist an der St. Nikolaikirche auf Finkenwerder, und seine Kirchenmusiker mit Klavier, Gitarre und einer kleinen Orgel überbrücken mussten. Aber jetzt ist alles fertig: Am Sonntag, 14. Oktober, um 18.30 Uhr, wird die frisch renovierte Furtwängler-Orgel mit einem feierlichen Konzert wieder eingeweiht.
Schon vor drei Jahren war klar geworden, dass das 1881 erbaute Instrument dringend saniert werden musste. Schimmel machte ihm zu schaffen, verschiedene Teile des Orgelwerks waren verschlissen. Im Juli schließlich montierten die Orgelbauer der Firma Hammer – einer Nachfolgerin der Firma Furtwängler und Söhne – die 999 Pfeifen ab, um sie gründlich zu reinigen. „Wir haben sogar noch die Original-Unterlagen“, freut sich Orgelbaumeister Georg Schloetmann.
Außerdem sollte das Instrument so weit wie möglich seinen alten Klang wieder bekommen. „Die ursprünglich romantische Orgel wurde in den 50er bis 70er Jahre mehrfach verändert“, weiß Schloetmann. Der so entstandene neobarocke Klang entsprach dem damaligen Zeitgeschmack. „Musikalisch erschreckend“, war das knappe Urteil des Orgelbaumeisters. Gut einen Monat brauchten er und sein Mitarbeiter Maciej Kramarski, um die Orgel im romantischen Stil neu zu stimmen.
Aber auch die Verkleidung des Instruments – der sogenannte Orgelprospekt – erstrahlt wieder in neuem Glanz. Restauratorin Andrea Junken hat die Front sorgfältig gereinigt, die Seiten und den Bereich um den Spieltisch neu gestrichen. „Die Oberfläche im Frontbereich ist absolut erhaltenswert“, begründet sie. Auch die meisten Vergoldungen der Ornamente haben eine hohe Qualität. „Es handelt sich um eine so genannte Polimentvergoldung“, erklärt Junken, „sie wirkt wie massives Gold.“
Rund 50.000 Euro hat die Sanierung gekostet. „Das haben wir vollständig durch Spenden, Zuweisungen und Stiftungen finanziert“, erzählt Pastorin Anja Blös stolz. Mit dem Ergebnis ist sie sehr zufrieden. „Die Orgel von St. Nikolai klingt befreit und variantenreicher. Sogar der musikalische Laie hört das.“ Martin Fiedrich stimmt ihr zu: „Die Orgel klingt wieder Furtwänglerischer.“

Info:
Sonntag, 14. Oktober, ab 18.30 Uhr lädt die Sankt Nikolaikirche, Landscheideweg 157, zu einem Orgelkonzert ein. Der Kölner Orgelvirtuose Christian Collum spielt Werke aus dem Barock (Bruhns, Bach), der Romantik (Mendelssohn Bartholdy) und der Moderne (Herbert Collum). Beim anschließenden Sekt-empfang zeigt Kirchenmusiker Martin Fiedrich den Besuchern in einer Führung das Ergebnis der Sanierungsarbeiten. Der Eintritt ist frei. BK
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