Als Flüchtling auf Wohnungssuche

Die Flüchtlinge Jawat (l.) und Mohammet (r.) leben in einer Wohnung, die von Hans Kautz betreut wird. (Foto: sl)

Der 18-jährige Mohammed ist mit 15 ganz allein aus Afghanistan geflohen – jetzt sucht er eine Wohnung, doch keiner will an ihn vermieten

Sabine Langner, Neugraben - „Von den vielen hundert minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, die in Hamburg leben, sind 18 kriminell. Davon sitzen acht in Haft", sagte Hans Kautz. Der Sozialpädagoge hatte gute Gründe, diese Zahlen gleich am Anfang des Gespräches zwischen drei Flüchtlingen und Einheimischen in den Raum zu werfen: Kautz betreut eine Wohngemeinschaft mit minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen („MUFs“) in der Cuxhavener Straße 305.
Auch zwei „seiner“ Jungs berichten vor 25 Neugrabenern aus ihrem Alltag.

Junger Flüchtling sucht eine Wohnung – vergebens

Die Zuhörer waren sprachlos, als die drei 18- und 19-jährigen Jungs aus ihrem Alltag und von ihren Fluchtgeschichten berichteten, und wie schwierig es für sie ist, hier eine Wohnung zu finden. Wie Mohammed. Mit 15 Jahren hat seine Familie ihn auf die Reise geschickt. Seit dreieinhalb Jahren lebt er hier, hat Deutsch gelernt und gerade seinen Hauptschulabschluss bestanden. Jetzt sucht er eine Wohnung.
„Von 40 Anzeigen durften wir eine Wohnung besichtigen“, berichtete Hans Kautz. „Alle anderen winkten ab, wenn ich am Telefon sage, dass Mohammed ein afghanischer Flüchtling ist.“ Immerhin 25 Wohnungen haben sich die beiden angesehen. Nichts hat geklappt. Für Mohammed wird die Zeit knapp. Anfang Mai muss er raus aus der betreuten Wohnung. Dabei interessiert ihn das Thema in diesen Tagen eigentlich nur am Rande. Seine Mutter ist schwer krank im Irak. Sie soll im Krankenhaus sein. „Aber ich habe vor zwei Monaten zum letzten Mal mit ihr telefoniert“, berichtet er traurig. „Ich weiß nicht, wie es ihr im Moment geht.“
Unter den Teilnehmern dieses Info-Nachmittags entbrennt eine hitzige Diskussion, wie man hier helfen könnte. Für Hans Kautz und seine Schützlinge ist das Balsam für die Seele. „Die Jungs, die ich betreue, sind fleißig und freundlich. Sie waren teilweise jahrelang unterwegs – und das in einem Alter, in dem wir hier überlegen, ob wir die Kinder allein zur Schule schicken. Sie verdienen eine Chance“, bat Hans Kautz.
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