100 Haftbefehle im Jahr

Die Polizeiwache in Cranz liegt idyllisch am Estedeich 95. Im oberen Stockwerk hat Hauptkommissar Heiko Tietze seine Wohnung. (Foto: Annekatrin Buruck)

Eine von Hamburgs acht Ein-Mann-Wachen liegt am Estedeich

von Annekatrin Buruck, Cranz
Der Polizeiposten in Cranz liegt idyllisch am Estedeich 95. Im Erdgeschoss ist die Wache, im oberen Stockwerk wohnt Polizeihauptkommissar Heiko Tietze. „Ich bin daher rund um die Uhr im Dienst“, erzählt der 52-Jährige. Ist er unterwegs, nimmt er sein Telefon mit.
Was aber, wenn er einmal im Urlaub oder krank ist? Immerhin sind die nächsten Wachen – Neugraben und Finkenwerder – rund 15 beziehungsweise neun Kilometer entfernt. Das sei auch der Grund, warum der Außenposten bis heute existiert, erklärt Gerhard Sitz, Leiter der Kriminalpolizei in der Wache Neugraben.
Das Gebiet von Heiko Tietze ist groß: Neben dem Ortsteil Cranz umfasst es noch die Seehofsiedlung im angrenzenden Neuenfelde; insgesamt betreut er rund 4.000 Menschen.
„Wenn Herr Tietze nicht da ist, landen Anrufer automatisch in Neugraben“, erläutert Sitz. Ist es dringend, müssen Beamte von dort oder aus Finkenwerder nach Cranz fahren. Wie lange das dauert, hängt von der Tageszeit und dem Verkehr ab. „Und davon, ob sie mit Blaulicht und Martinshorn fahren können“, ergänzt Sitz. Im Übrigen versorgen die beiden Bürgernahen Beamten aus Finkenwerder und der Kollege aus den Elbdörfern das Gebiet mit, wenn Heiko Tietze nicht da ist.
Meist ist es in Cranz und Umgebung aber relativ ruhig. 46 Straftaten gab es nach der Kriminalstatistik 2010 in Cranz, davon einen Raub, acht Körperverletzungen und 17 Diebstähle. Für den Teil Neuenfeldes, der mit zu Tietzes Gebiet zählt, gibt es keine gesonderten Zahlen. Für Neuenfelde insgesamt verzeichnete die Statistik im vergangenen Jahr 157 Straftaten, davon zweimal Raub und 20 Körperverletzungen.
Spektakuläre Fälle sind also selten, aber sie kommen vor. „Einmal hat mich ein Mann mit einem Messer angegriffen“, erzählt Heiko Tietze, „den konnte ich nur mit Reizgas außer Gefecht setzen.“ Auch Haftbefehle vollstreckt er gar nicht so selten, „rund 100 im Jahr“. Meist handelt es sich dabei um nicht bezahlte Steuer- oder Strafschulden. Zahlt der Beschuldigte, kann das Gefängnis noch abgewendet werden. „Ich habe schon manchmal das Geld persönlich bei der Bank eingezahlt“, so Tietze.
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