100 Euro Geldbuße für Mord-Drohung

Piotr R. aus Neuwiedenthal hat einen Polizisten bedroht. Seine Strafe: Er muss bis zum 1. Oktober 100 Euro an einen gemeinnützigen Verein spenden.

Während der Neuwiedenthaler Massenschlägerei drohte Piotr R., den Polizeibeamten Günter J. umzubringen – Verfahren eingestellt

Nur 20 Minuten dauerte es, dann war die Sache entschieden: Piotr R. muss 100 Euro an einen gemeinnützigen Verein spenden und das Verfahren gegen ihn wird eingestellt. Diesen Deal bot Oberstaatsanwalt Lars Mahnke dem 35-Jährigen an, um endlich einen Schlussstrich unter ein „unrühmliches Kapitel“ zu ziehen. Denn Piotr R. ist der letzte Neuwiedenthaler, der sich für seine Taten am Abend des 26. Juni 2010 verantworten musste. Damals war es auf einer Wiese im Rehrstieg zu einer Massenschlägerei zwischen einer wütenden Menge und mehreren Polizisten gekommen. Piotr R. stand wegen Bedrohung eines der Beamten vor dem Harburger Amtsgericht.
Was war damals geschehen? Während sich die Gemüter immer mehr erhitzten, nachdem zwei Polizisten einen Wildpinkler festnehmen wollten, soll sich R. aus der Menge gelöst und den Polizeibeamten Günter J. angepöbelt haben: „Ich kenne dein Gesicht, ich weiß wo du arbeitest, wenn ich dich wiedersehe, bringe ich dich um!“ R. weigerte sich, die ihm aufgebrummten 600 Euro Strafe zu zahlen und so kam die Sache vor Gericht.
In dunkle Jeans und ein gestreiftes Poloshirt gekleidet, sitzt der Deutschpole sichtlich angespannt aber ruhig da. Er nickt wiederholt, während ihm Oberstaatsanwalt Mahnke erklärt, warum er ihn nicht straffrei gehen lassen möchte. „Ich sehe nicht, warum die Bedrohung erforderlich war“, sagt Mahnke. Denn R.s harte Worte fielen, bevor es zur Schlägerei kam, in deren Verlauf Günter J. einen mehrfachen Schädelbruch erlitt. Monatelang beschäftigte der Fall die Hamburger Justiz – zu einer Verurteilung kam es nicht. Ein weiteres Verfahren will Mahnke nicht und fordert nur die „symbolische Strafe“.
Günter J., der als Zeuge geladen war, muss nicht mehr aussagen. Der Polizeibeamte leidet noch immer unter starken Kopfschmerzen und verrichtet seinen Dienst mittlerweile in einem anderen Hamburger Stadtteil. Er ist verbittert, auch wenn die Sache schon lange für ihn erledigt ist. „Die 100 Euro sind zu viel, er hätte nichts bezahlen müssen“, sagt der 49-Jährige nach der Verhandlung zynisch. Denn die Männer, die ihm den Schädel eintraten, kamen ganz ohne Strafe davon. Doch auch Günter J. stand für seinen brutalen Schlagstockeinsatz damals vor Gericht. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Wegen seiner schweren Verletz-ungen verzichtete das Gericht auf eine Strafe.
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1 Kommentar
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 16.12.2012 | 15:09  
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