Bilder gegen das Tabu

Lucie Veith hat einen kleinen Raum in ihrem Neu Wulmstorfer Reihenhaus zum Atelier umfunktioniert. Fotos: as
Neu Wulmstorf: Neu Wulmstorf |

Wochenblatt-Serie: Künstler aus Süderelbe
Vorgestellt: Künstlerin und Menschenrechtlerin Lucie Veith aus Neu Wulmstorf

Leichte Kost sollen ihre Bilder nicht sein. Und auch kein schnell hingezauberter Wandschmuck. Schön anzusehen sind die Drucke und Aquarelle von Lucie Veith dennoch, auch wenn sie voller Symbole und – wie die Künstlerin erklärt – „Geschichten“ stecken, die sich meist um ein Thema drehen: das Tabu.
Und davon gibt es viele: „Gesellschaftliche Tabus, Tabus ums anders sein und Behinderung, Einsamkeit als Tabu und Tabus ums Geschlecht“, zählt die 55-Jährige auf. Besonders letzteres ist ein große Thema in Veiths Kunst und Leben. Als Bundesvorsitzende des Vereins „Intersexuelle Menschen“ setzt sich die Neu Wulmstorferin – zuletzt im deutschen Ethikrat – für die Gleichstellung von Menschen mit zwei Geschlechtsmerkmalen, sogenannten Zwittern, ein.
Die Gewalt, die diesen Menschen oft zu Beginn ihres Lebens erfahren und die Diskriminierung, die sie erleiden müssen, thematisiert die Künstlerin in ihren Werken. Besonders deutlich zeigen das Veiths Skulpturen. „Weißwaschungen“ heißt eine Arbeit, die aus drei kleinen Objektkästen besteht. Sie hängt im Eingangsbereich von Veiths Reihenhaus, in dem sie mit ihrem Ehemann lebt. „Es geht ums Gleichmachen“, sagt die Künstlerin und zeigt auf den ersten Kas-ten. „Die schönen Naturholzkugeln werden durch die Mühle gejagt und am Ende sind alle weiß.“ Im zweiten Kasten ist ein Messer an dem rote Farbe wie Blut klebt. Das sei ein Heilangriff, so Veith. Im dritten Kasten steckt ein mit weißen Binden umwickelter Kopf. „Hier geht es darum, Menschen und ihre Lebensgeschichten verschwinden zu lassen“, erklärt sie.
Veith arbeitet seit 35 Jahren als Künstlerin, doch ihren Lebensunterhalt hat sie lange als Leiterin einer Bankfiliale verdient. „Irgendwann ging das nicht mehr. Dann hab ich mich für das Leben des Seins entschieden, nicht des Habens“, sagt sie mit einem Lächeln. Bereut hat das die umtriebige Frau nie: Sie stellt seit Jahren regelmäßig aus und verkauft ihre Werke. Zusätzlich gibt sie Kunstkurse an der Volkshochschule und engagiert sich im Kunstverein Neu Wulmstorf, wo sie vor elf Jahren die Gruppe der aktiven Kunstschaffenden mitgegründet hat.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.