Wer zahlt die Zeche?

Reinigung der Tankstelle : Die Hoyer-Unternehmensgruppe aus Visselhövede schätzt, dass der Brand einen Schaden in Höhe von 100.000 Euro verursacht hat. Fotos: ch, pr und sd
 
Schaulustige beim größten Brand der vergangenen Jahre: Viele Zuschauer sahen sich die über 100 Meter hohen Flammen aus sicherer Entfernung an.
Hamburg: Nartenstraße |

Feuer in einer Lagerhalle verursacht Schäden in Millionenhöhe.

Eine Reportage von Sabine Deh.
Das Zeug ist verdammt zäh. Mit Schaufeln in der Hand versucht ein Mann im weißen Schutzanzug ein zähes Kautschuk-Gummi-Gemisch von der Nartenstraße abzukratzen. 50 Mitarbeiter verschiedener Spezialreinigungsfirmen sind unterwegs, um nach dem Groß-brand am Rande des Harburger Binnenhafens die Fahrbahn, Firmengelände und Gehwege wieder sauber zu machen. Im Wasserdampf der Hochdruckreiniger ist die benachbarte Tankstelle kaum zu sehen. Die Arbeiten werden noch einige Tage dauern.
Nach dem Inferno zu Jahresbeginn stand das Telefon im Harburger Rathaus nicht still. Mehrfach war Bezirksamtsleiter Thomas Völsch vor Ort, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen und sprach mit den Anliegerfirmen und Reinigungsunternehmen. In der Lagerhalle, die die Firma H.D. Cotterell Lagerei und Ladungskontrolle nutzt, wurden nach Angaben der Feuerwehr rund 2.000 Tonnen Gummi-Kautschuk und 10.000 Liter Heizöl gelagert. Wie erst jetzt bekannt wurde, lag dem Bezirksamt offenbar keine gültige Genehmigung für die Lagerung von „Problemstoffen“ vor.
Die Kommunikation zwischen Bezirksamt und der Firma Cotterell gestaltet sich mühsam und läuft im Moment ausschließlich über ein Hausverwaltungsbüro. „Nach kriminalpolizeilichen Ermittlungen gehen wir von einem technischen Defekt als Brandursache aus, können aber eine fahrlässige Brandstiftung nicht gänzlich ausschließen. Die Schadenssumme beläuft sich auf mehrere Millionen Euro“, sagt Polizeipressesprecher Andreas Schöpflin. Eine Mitarbeiterin der Firma Cotterell informiert am Telefon knapp: „Wir dürfen keinen Kommentar abgeben.“
Derzeit wird geprüft, in wieweit die Siele und Energieleitungen an der Nartenstraße durch das geschmolzene Gummi-Gemisch beschädigt wurden. Unter Umständen muss die ganze Nartenstraße aufgerissen werden, um die betroffenen Leitungen und Siele zu erneuern. Die Folgekosten sind nicht abzuschätzen. „Das Bezirksamt Harburg wird für die anfallenden Reparaturen in Vorleistung treten. Aber wir hoffen natürlich, dass am Ende der Schadensverursacher die Zeche zahlen wird“, so Behördensprecherin Petra Schulz.
Ähnliche Hoffnungen hegt auch die Hoyer Unternehmensgruppe aus Visselhövede, die direkt neben der abgebrannten Lagerhalle eine Tankstelle betreibt. „Wir schätzen den uns entstandenen Schaden auf mehrere 100.000 Euro. Dieser ist im wesentlichen entstanden durch Aufräum- und Reinigungsarbeiten, Schäden an den technischen Einrichtungen und an der Fahrbahn“, erläutert Firmenchef Heinz-Wilhelm Hoyer.
Hinzu kommt ein gravierender Einnahmeausfall, da die Tankstelle tagelang geschlossen war, der aktuell noch nicht beziffert werden kann. Ob der Schaden durch eine Versicherung gedeckt ist, sei zur Zeit nicht zu beantworten. „Aktuell haben wir vorsorglich bei unserer Vermieterin sowie bei der Eigentümerin der Halle unseren Schadenersatzanspruch angemeldet“, so Hoyer.
Auch der Handelshof an der Nartenstraße war von den Folgen des Feuers stark betroffen. Der Kundenparkplatz musste über eine Woche lang gesperrt werden. „Der durch den Großbrand entstandene Schaden und Verdienstausfall wird noch beziffert. Im Moment verständigen sich die Versicherungen untereinander über ihre Zuständigkeit“, sagt Volker Klein, der Sprecher des Handelshofes.
300 Feuerwehrleute verhinderten durch ihr beherztes Eingreifen, dass der Brand auf benachbarte Gebäude übergreifen konnte. „Die Kosten für die Neuanschaffung von Ausrüstungsgegenständen und Spezialanzügen schätzen wir auf 500.000 Euro“, so Feuerwehrsprecher Manfred Stahl. So wurden rund 150 Feuerwehranzüge mit dem geschmolzenen Kautschuk kontaminiert und mussten nach dem Einsatz im Sondermüll entsorgt werden.
In diesem Fall geht die Finanzbehörde in Vorleistung, wird aber versuchen das Geld über eine Versicherung zurück zu bekommen. „Womöglich endet dieser Brand aber mit einem gewaltigen Rechtsstreit und der Steuerzahler bleibt auf einem Großteil der Kosten sitzen“, befürchtet Stahl.

Wasser fast sauber
Aufatmen im Harburger Binnenhafen: Das Wasser ist durch die Brandrückstände nur gering belastet. Dies haben Untersuchungen des Instituts für Hygiene und Umwelt ergeben. Insgesamt konnte festgestellt werden, dass das Wasser geringer belastet ist, als es zunächst aussah. Die Empfehlung, den direkten Kontakt mit dem milchigen Wasser zu vermeiden, um mögliche Hautreizungen vorzubeugen, bleibt jedoch bestehen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.