MARK WYAND BAND – „I´M OLD FASHIONED“-TOUR

Wann? 16.04.2012 20:00 Uhr

Wo? Stellwerk, Hannoversche Straße 85, 21079 Hamburg DE
Hamburg: Stellwerk | Mo., 16. Apr., 20h
MARK WYAND BAND – „I´M OLD FASHIONED“-TOUR
www.markwyand.com

Mark Wyand (sax, cl), Ofri Brin (voc), Frank Möbus (guit), Wolfgang Zechlin (p, rhodes), Andreas Edelmann (b), Martijn Vink (dr)

“Mark Wyand ist Germany's Next-Top-Saxofonist” („Die Welt“) und alles andere als old-fashioned. Aber er nimmt sich auf seinem neuen Album altbekannter Jazz-Titel an, um sie in die Moderne zu führen. Eine mehr als gelungene Hommage an die Zeitlosigkeit und Wan-delbarkeit der Melodie. Unterstützt durch brillante Musiker. That´s jazz today!

Mark Wyand - I’m Oldfashioned

Oldfashioned ist Mark Wyand sicher nicht. Er erzählt uns Geschichte und Geschichten, die uns heute, und zwar nur heute angehen.

Berlin, Prenzlauer Berg, eine der belebtesten Straßen der Stadt. Hunderte Straßenbahnen scheppern hier täglich übers Pflaster, in der Nacht wechselt das Partyvolk von einer Bahn in die andere. Flaschen klirren, Hunde bellen, Besoffene brüllen, bis im Morgengrauen wieder die Babys zu schreien beginnen. Ausgerechnet hier hat ein musikalischer Kopf seinen Rück-zugsraum gefunden, der mit seinen leisen, fast gehauchten Adaptionen von Jazzklassikern einen trotzigen Kontrapunkt zum viel beschworenen Puls der City setzt.

Mark Wyand ist Saxofonist. Er hat die Geschichte des Jazz verinnerlicht und spielt Stan-dards. Wenn das aber schon die ganze Story wäre, gäbe es keinen Grund, sein Album „I’m Oldfashioned“ zu hören. Nein, Mark Wyand erzählt mit diesen Standards seine eigene Ge-schichte. Er muss dazu nicht weit ausholen. Seine Position ist klar. Er lebt nicht in den vier-ziger, fünfziger oder sechziger Jahren, er ist ein Kind der Gegenwart. Er muss längst nicht alles befürworten, was heute um ihn herum passiert. Der Jazz bietet ihm einen Rückzugs-raum, doch Wyand hört nicht auf zu fragen. Er stößt mit seinem Horn hinein in die Tradition und durchbricht sie gleichzeitig.

„I’m Oldfashioned“ ist ein ruhiges Album. Jeder Ton hat seinen Platz, der ihm konkret zuge-wiesen wird. In fünf Tracks greift Sängerin Ofri Brien die Intentionen des Saxofonisten kon-genial auf, um sie stets wieder zu ihm zurückzuführen. Mehr als einmal schließt sich ein Kreis. Wyand liebt das Understatement, die leisen Töne, die dem Hörer Freiräume eröffnen. „Musik war für mich immer mit Ausgleich und Abtauchen in eine andere Welt verbunden“, bekennt der leidenschaftliche Holzbläser freimütig. „Das ist es für mich heute in gewisser Weise auch noch, aber nicht mehr so ausschließlich. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, ich brauche mehr Abstand zur Musik.“

Ruhig oder leise sind im Falle Mark Wyands keine Synonyme für beschaulich. Seine Melo-dien schmeicheln sich zunächst ins Ohr, um nach und nach eine unterschwellige Inbrunst freizulegen. Sie sind im positivsten Sinn des Wortes tickende kreative Zeitbomben. Für Wy-and selbst verbindet sich damit eine Sehnsucht nach Einheit und Frieden mit seinen Einflüs-sen, aber auch ein Widerstand gegen die Flüchtigkeit des globalisierten Großstadtlebens. Auf seiner Suche nach Essenz setzt er sich einem Wechselspiel von Harmonie und Konflik-ten aus. All diese Klassiker, die hier interpretiert werden, sind genau genommen Collagen zweier Welten. Die scheinbar heile Welt der Jazzgeschichte wird hier mit dem Sezierbesteck der aktuellen Pop-Befindlichkeit von innen zerlegt und neu zusammengesetzt. Zeitlose Un-antastbarkeit und extreme Wandelbarkeit finden zu einer überraschenden Einheit, wo nie-mand sie vermutet. Wo andere Jazzmusiker sich etwas von der Seele spielen, spielt er sich etwas auf die Seele. Und das ist gut so.

Für Mark Wyand ist diese CD ein wichtiger Abschnitt auf dem Weg zur Komplettierung als Jazzmusiker. Er zieht gewissermaßen Bilanz, hält alle Fäden seiner musikalischen Identität in einer Hand zusammen und fragt sich, wer bin ich im Kontext der Musiker, die mich geprägt haben. Als Jugendlicher hatte er einmal auf einem Album von Joe Lovano die Bemerkung gefunden, für jeden Tenoristen komme irgendwann die Zeit, „Body & Soul“ zu spielen. Nun, gerade dieses Stück ist nun nicht auf „I’m Oldfashioned“ enthalten, aber genau an dem be-schriebenen Punkt ist Wyand jetzt angelangt. „Die CD erzählt, was Jazz für mich bedeutet. Ich stelle mir die Frage, was ich an dieser Musik liebe und was mich nervt. Was berührt mich an diesen Alben in meinem Schrank, die ich viel oder viel zu wenig oder vielleicht auch nie gehört habe, obwohl ich sie hätte hören sollen. Die Stückauswahl besteht auch aus Songs, die für mich lange Zeit Heiligtümer waren. Ich habe ja vorher selbst komponiert, aber es war für mich doch ein großer Schritt, festzuhalten, wo ich in dieser Landschaft bin.“

Wyands Interpretationen sind mutig. Er erzählt uns stets Geschichten, die weit über den Kontext des Originals hinausgehen. All diese Stücke, die tausendfach interpretiert und re-harmonisiert wurden, führt er auch auf ihren Kern zurück. Er spielt die Melodie, ohne viel Fir-lefanz und überflüssige Sophistication. Es kam ihm darauf an, die Sanglichkeit dieser Stücke zu entdecken. „Ich habe viele Popeinflüsse, bin aber Jazzmusiker. Meine Platte soll nicht wie ein Popalbum klingen. Das wäre aus meiner Sicht gekünstelt. Ich will mich aber ein Stück weit in meiner Welt mit meinen Assoziationen frei bewegen können, ohne immer gewissen Dogmen zu unterliegen.“

Wyand spielt zwar Klassiker des Jazz wie Ornette Colemans „Lonely Woman“, John Coltra-nes „Lonnie’s Lament“, Miles Davis’ „Blue In Green“, Antonio Carlos Jobims „Once I Loved“, Dave Brubecks „In Your Own Sweet Way“, Richard Rogers’ „My Heart Stood Still“, Jerome Kerns „I’m Oldfashioned“ oder Kurt Weills „Speak Low“, aber er tut es auf seine Weise. Es geht ihm weder um Wiederholung noch um Absolution vor der Jazz-Gemeinde, sondern um einen Brückenschlag in die Gegenwart. Standards sind für ihn Hüllen, die er mit eigenen In-halten füllt. Indem er diese Stücke flüstert und singt, macht er sie geschmeidig, öffnet ihnen neue Türen, holt den Hörer ab, um mit ihm neues Terrain zu betreten. Auf diese Weise über-trägt er die Sehnsucht, die er in der Musik von Radiohead oder Goldfrapp hört auf „Lonely Woman“, ohne sich der Pop-Ästhetik andienen oder diese Stücke gar covern zu müssen. In-dem er sich ganz dem Jazz hingibt, geht er weit über den Jazz hinaus. Ein eindringliches Er-lebnis.

Eintritt: 12,- € /erm. 10,- €

Vorverkauf unter:
https://retail.ticket-web.de/online/index.php3?sho...
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