Kleine IBA-Bildungsreise

Harburger Schloss (Foto Gisela Baudy)
 
IBA-Ausstellung auf der Harburger Schlossinsel (Foto Chris Baudy)
 
IBA-Dock (Foto Chris Baudy)
Hamburg: Harburger Schlossinsel | Am 3. November geht das Präsentationsjahr 2013 der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg zu Ende. Höchste Zeit, dachten wir vom NachhaltigkeitsNetzwerk HARBURG21, sich ein bisschen umzusehen in diesem Zukunftslabor städtebaulicher Entwicklung und seine Lösungen für die unaufhaltsam wachsende Stadtbevölkerung und den Folgen für Umwelt und Umfeld einmal näher zu betrachten.

Aber wo könnten wir am besten anfangen? In den letzten sieben Jahren hat die IBA über 60 neuartige Bau-, Bildungs- und Kultur-Projekte mit einem Investment-Volumen von über 1 Mrd. Euro hervorgebracht, die allerdings mancherorts auch auf Kritik stößt. Ein Stichwort hierzu wäre etwa die Bewegung " IBA? Nigs DA!". Die Mehrzahl der IBA-Projekte wertet die 35 km2 große Flussinsel Wilhelmsburg auf, zum Beispiel mit modernem Wohnraum der zumeist höheren Mietpreisklasse. Acht Bauprojekte heben das Prestige und Mietniveau des ehemals rein gewerblich genutzten Harburger Binnenhafens. Insgesamt haben wir es mit einer weitläufigen Ausstellung architektonischer Neuheiten zu tun, die für moderne Stadtentwicklung nach ökologischen und sozialen Kriterien stehen sollen. Ob beziehungsweise inwieweit sie diesen Ansprüchen auch gerecht werden, lässt sich aus heutiger Sicht wohl nicht einschätzen. Dennoch wollten wir uns einen ersten Eindruck von einigen dieser neuartigen Errungenschaften verschaffen. Von Harburg aus.

Wir entschieden uns für eine moderierte Busrundreise. Nach dem Motto: viel Information in kurzer Zeit. Was uns erst später auffiel: Die komplette Rundreise, die durch Veddel, Wilhelmsburg und Harburg führt, funktioniert von Harburg nur, wenn sich die Shuttles nicht verspäten! Besser und ohne Umsteigen geht es vom IBA-Dock aus um 10:30 Uhr, 10:40 Uhr sowie 15:30 Uhr und 15:40 Uhr.

Nun denn. Freitagvormittag des 4. Oktober begaben wir uns bei herbstlichen elf Grad und Sonnenschein auf die Harburger Schlossinsel, machten uns im "Zug der Ideen 2013" schon mal schlau zum Thema und nahmen Info-Material mit. Um 12 Uhr gesellten wir uns zu zehn weiteren IBA-Tourist/innen an der Bushaltestelle gleich neben den Ausstellungscontainern. Laut Fahrplan - und bei entsprechend günstiger Verkehrslage - sollte der nächste Shuttle in drei Minuten hier eintreffen. Aus drei Minuten wurden 15 Minuten, bis der völlig überfüllte Hybridbus ankam, zwei junge Chinesinnen entließ und dann ohne uns weiterfuhr. Wir nahmen lieber den wenige Minuten später eintreffenden IBA-Shuttle und ergatterten die beiden letzten Sitzplätze vor dem Ausstieg, in Fahrtrichtung rechts.

Die Mehrheit der Passagiere gehörte zu den "Silbergrauen", die wenigen Jüngeren waren um die 20. Eine versierte IBA-Reiseführerin ließ uns links und rechts schauen, streifte kurz die geschichtlichen Daten zum - ehemaligen - Harburger Schloss und erläuterte die bauliche Erschließung der Schloßinsel: die Marina, der Park, das Quartier am Park sowie die geplante Radfahrer- und Fußgängerbrücke zwischen Schloßinsel und Lotsekai. Wir erfuhren auch, dass archäologische Funde in der Schloßstraße den Beginn der Bauarbeiten für das maritime Wohnquartier am Kaufhauskanal verzögerten. "Über kurz oder lang werden hier aber die geplanten 130 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen", versicherte die junge Dame mit dem Mikrofon.

Am Kanalplatz stiegen fünf weitere Fahrgäste zu, platzierten sich im Gang und engten unsere Aussicht nach links etwas ein. Glücklicherweise lagen die meisten IBA-Objekte auf unserem Weg zum IBA-Dock zu unserer Rechten. Wir hörten etwas zum InnovationCampus "Green Technologies" und fuhren an den noch im Bau befindlichen Häusern am Schellerdamm (für Studierende) und am Hafencampus vorbei auf die Wilhelmsburger Reichsstraße. Auch hierzu gab es etwas zu erfahren: Zum einen war die Schnellstraße anlässlich der Internationalen Gartenschau (igs) Hamburg mit - dem leider doch nicht so wunderbaren - Flüsterasphalt und Schallwänden ausgestattet worden. Die Fahrbahn-Geräusche waren auch etwas reduziert. Zum anderen soll diese Straße mehr nach Osten zur Bahntrasse hin verlegt werden. Dann werden zwei statt bisher drei große Verkehrsadern durch Wilhelmsburg verlaufen, um die verschiedenen Stadtteil-Bereiche baulich und sozial besser verbinden zu können.

Rechts zog der Südteil der igs Hamburg an uns vorbei. "Nach der igs bekommen die Wilhelmsburger einen großen Freizeit- und Erholungspark", verriet uns die Reiseleiterin. Kurz vor dem nächsten offiziellen Stopp hielten wir plötzlich hinter einem liegengebliebenen IBA-Bus. Es war genau der Shuttle, den wir in Harburg hatten fahren lassen. An die 20 neue Fahrgäste drängelten sich in unseren Bus und versperrten nun endgültig die Sicht zur Linken. Zügig fuhren wir den 40 m hohen und begrünten Energieberg Georgswerder an. Von vorne hörten wir, dass er praktisch für das erneuerbare Wilhelmsburg steht. Denn an der Stelle einer ehemaligen Giftdeponie wird heute neue Energie aus Methan, Wind und Sonne gewonnen. Mit anderen Worten: Noch vor 30 Jahren war der Kunstberg ein Umweltskandal, heute ist er ein Umweltsegen - und eine tolle Aussichtsplattform. Hinten stiegen einige Fahrgäste aus, um sich die Ausstellung anzusehen und die Aussicht zu genießen, während vorne wieder neue Fahrgäste die restlichen Stehplätze besetzten.

Am IBA-DOCK, der Hauptinformationsstelle der IBA endete die Busfahrt - mit der zu erwartenden Verspätung. Dadurch hatten wir den Anschlussbus verpasst, der uns zum Energiebunker an der Veringstrasse (Wilhelmsburg -West) sowie zum Inselpark (Wilhelmsburg Mitte) und wieder zurück über den Energieberg zum IBA-Dock führen sollte. Der nächste würde erst in einer dreiviertel Stunde fahren. Genug Zeit, um sich das schwimmende Büro- und Ausstellungsgelände der IBA mal aus der Nähe anzusehen. Drinnen empfing uns das Stimmengewirr etlicher IBA-Touries, die sich schwadronierend auf allen drei Stockwerken verteilten. Wir bahnten uns einen Weg zum mittleren Stockwerk. Umringt von zahlreichen Zuhörer/innen hielt eine Stadtplanerin vor einem ca. 25m2 großen Modell der Elbinseln einen Vortrag. Gerade sprach sie davon, dass das IBA-DOCK ein Beispiel dafür sei, wie erneuerbare Energieversorgung und Klimaanpassung (bei Hochwasser) erfolgreich zusammengebracht werden könnten, als sie zu einer Führung weggerufen wurde.

Dann arbeiteten wir uns Schritt für Schritt durch die gesamte Ausstellung. Es gab viel, ja fast schon viel zu viel, zu sehen, und vor allem zu lesen. Große Leuchttafeln etwa informierten auf Deutsch und Englisch über die IBA-Projekte. In kurzen Filmen kamen Reporter und Akteure aus Wilhelmsburg zu verschiedenen Aspekten rund um die IBA und urbane Zukunftsfähigkeit zu Wort. Ein großes Wandregal hielt verschiedene Projekt-Flyer, Insel-Karten und Ansichtsexemplare relevanter Publikationen bereit. Zum Beispiel den handlichen IBA-Reiseführer "Wege zur neuen Stadt" - ein Muss für IBA-Touristen und alle, die die neuen urbanen Entwicklungen in Hamburg kennenlernen und verstehen möchten. Denn trotz werbesprachlicher Aufbereitung präsentiert das Buch anschaulich die notwendigen Hintergrundinformationen zur Ausstellung und ihren "Exponaten" und ist eine sehr gute Orientierungshilfe.

Als wir im Café zwei Barkassen beobachteten, die gerade von der Terrasse ablegten, erinnerten wir uns an den noch ausstehenden zweiten Teil unserer Reise durch Wilhelmsburg-West und Wilhelmsburg-Mitte. Die Uhr zeigte 14 Uhr. Der Dreizehn-Uhr-Dreißiger war also weg. Der nächste Bus ging erst in 30 Minuten. Als wir das IBA-Dock verließen, sahen wir auch niemanden an der Bushaltestelle stehen. Okay, dann mussten Energiebunker und Inselpark heute ohne uns auskommen oder besser wir ohne sie. Schade eigentlich. Aber nach dem äußerst reichhaltigen und vielfältigen Informationsangebot "on the road" und "auf dem Wasser" wollten wir ohnehin eine Verdauungs-Pause einlegen. Wir könnten uns ja auch einer geführten IBA-Rad-Tour anschließen - demnächst und bei einigermaßen gutem Wetter. Mal sehen.

Chris Baudy

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