Harburg vor 1.000 Jahren

Eine Archäologin, die ihre Gruppe begeis-tert: Mirjam Briel beantwortete alle Fragen. Fotos: sd
 
Auf der Suche nach Münzen, Schmuck, Besteck und Waffen: Ein Metalldetektor erleichtert den Grabungshelfern die Arbeit.
Hamburg: Harburger Schloßstraße; |

Archäologen graben an der Schloßstraße.

Von Sabine Deh.
In der Luft liegen Anzeichen für ein Sommergewitter. Trotz schwül-warmer Witterung findet sich ein gutes Dutzend Interessierter am Treffpunkt ein. Darunter Senioren, ein Ehepaar mit Teenie-Tochter auf Ferientour, Doris Hornberger vom Museums-Verein und Falko Fritz. Der junge Mann arbeitet um die Ecke und hat heute extra früher Feierabend gemacht, um an der Führung des Archäologischen Museums an der Harburger Schloßstraße teilnehmen zu können. Er interessiert sich für historische Schwertkämpfe und ist neugierig, ob in der Nähe des Harburger Schlosses alte Waffen gefunden wurden.
„Archäologie findet nicht nur in Ägypten, Griechenland und in der Türkei statt, sie beginnt vor unserer eigenen Haustür“, sagt Mirjam Briel und ihre braunen Augen funkeln vor Begeisterung. Es ist nicht zu übersehen: Die zierliche 29-jährige Archäologin hat Spaß an ihrem Beruf.
In Deutschlands Böden liegen noch viele Schätze aus der Vergangenheit. Archäologen graben aber nur dann, wenn eine Gefährdung der Schätze im Boden etwa durch Baumaßnahmen besteht. So ist es an der Schloßstraße: Auf dem 11.450 Quadratmeter großen Baugebiet am Kaufmannskanal werden demnächst Wohnungen gebaut.
Mit schnellen Schritten steuert Briel die beiden weißen Zelte an, unter deren Schutz seit März die Grabungen stattfinden. Die Entwicklung des heute im Binnenhafengebiet gelegenen mittelalterlichen Stadtkerns entlang der Schloßstraße erweist sich für das Grabungsteam als Glücksfall. „Der Straßenverlauf hat sich über 800 Jahre nicht verändert und bietet daher beste Voraussetzungen, die frühe Siedlungsgeschichte Harburgs zu erforschen.“
Ganz in der Nähe wurde im 10. Jahrhundert die Horeburg, vermutlich als Grenzfestung der Grafen von Stade, errichtet. Von hier aus wurde das Marschgebiet im Hamburger Süden besiedelt. Später ließen sich entlang der damals mit Holzbohlen befestigten Schloßstraße Handwerker, Bauern und Händler nieder. An dieser Stelle lag auch das erste Harburger Rathaus.
Die Gruppe folgt ihrer Füh-rerin im Gänsemarsch auf dem Fuße und hält sich strikt an ihre Anweisungen: Nichts anfassen oder aufheben, und auf gar keinen Fall über die Absperrbänder klettern. Es riecht etwas muffig, aber der Blick auf die Fachleute, die mit Schaufeln, Pinseln und allerlei technischen Geräten das Gelände bis in eine Tiefe von knapp fünf Metern behutsam Schicht um Schicht abtragen, entschädigt.
„Der humushaltige Boden hat dafür gesorgt, dass die meisten Fundstücke gut erhalten sind“, so Briel, der Geruch scheint ihr nichts auszumachen. Ausgebuddelt wurden bereits Scherben von Siegburger Steinzeug aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Messer, die schon im Frühmittelalter benutzt wurden. Außerdem Pilgerabzeichen, Musketenkugeln sowie hochwertiges Importporzellan, das darauf hindeutet, dass hier früher wohlhabende Bürger gelebt haben. Die Archäologen wollen demnächst auf einer Fläche in der Nähe mit einer weiteren Grabung beginnen. „Dort finden wir mit etwas Glück eine Kloake-Grube“, hofft Briel. Solch ein mittelalterlicher Donnerbalken könnte den Forschern neue Erkenntnisse über die kulinarischen Vorlieben unserer Ahnen eröffnen und birgt vielleicht sogar Schätze, wie Münzen und Schmuck, die beim Gang aufs stille Örtchen verloren gingen. Mit einem Schwert konnte die Archäologin zwar noch nicht aufwarten, Falko Fritz ist am Ende trotzdem begeistert. „Das war wirklich spannend“, lobt der Mittelalter-Fan. Er will jetzt häufiger an den Führungen teilnehmen, denn es ist durchaus möglich, dass demnächst tatsächlich noch altertümliche Waffen gefunden werden.

Führungen: Das Archäologische Museum Hamburg bietet jeden Donnerstag eine kostenlose Führung über das Grabungsgelände an. Die Teilnehmer treffen sich um 14 Uhr im Foyer des TuTech-Hauses an der Harburger Schloßstraße 6. Dort werden auch erste Funde ausgestellt.
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