Die Rider von Neuland

Wann? 16.07.2011

Wo? Baggerteich Neuland, Am Neuländer Baggerteich 3, 21079 Hamburg DE
Sympathisch: die beiden Wakeboardern Adrian Abeck (l.) und Felix Schneider.
 
René Konrad aus Wilhelmsburg gehört zu den weltbesten Wakeboardern.
Hamburg: Baggerteich Neuland | Von Sabine Deh. Ein kurzes Abklatschen mit der Konkurrenz, dann steht David Bittner an der Absprungrampe. Vor dem Start auf die 500 Meter-Strecke geht der 19-jährige Wakeboarder aus Langenfeld im Geist noch einmal sein Programm durch, wirft seiner Freundin ein Luftküsschen zu und dann springt er: Überschlägen, Salti und Drehungen.
Bei den Deutschen Meisterschaften im Cablewakeboarding, die erstmals am Wasserski- und Wakeboardlift am Neuländer See in Harburg ausgetragen wurden, hatte Bittner starke Konkurrenz. Cablewakeboarding ist eine Kombination aus Wasserski, Snowboarden und Wellenreiten. Die Rider hängen wie kleine Gondeln an einer Drahtseilbahn und werden mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Stundenkilometern auf den See katapultiert. Dort müssen sie auf ihren kurzen, kompakten Brettern an verschiedenen Rampen möglichst waghalsige, komplizierte Sprünge zeigen.
Deutschland ist in dieser Disziplin Trendsetter. Hierzulande stehen den Sportlern 65 Wasserskilifte zur Verfügung. So viele gibt es in keinem anderen Land der Welt. In der aktuellen Weltrangliste befinden sich drei Deutsche unter den ersten Fünf. Einer von ihnen ist der Sportsoldat René Konrad (19) aus Wilhelmsburg. Gemeinsam mit seinen Freunden Tom Richter und Frédéric von Osten, die ebenfalls zu den weltbesten Wakeboardern gehören, trainiert er seit Jahren auf dem Neuländer See. „Ein absoluter Glücksfall, dass sich auf unserer Anlage gleich drei Weltklassesportler trafen, die sich gut verstehen und sich zu immer besseren Leistungen anspornen“, freut sich Peter Schattenfroh (43), der Betreiber des Harburger Wasserskilifts.
Aufgrund einer Verletzung konnte Tom Richter bei den Deutschen Meisterschaften nicht an den Start gehen, übernahm aber die sachkundige Moderation der Veranstaltung. Frédéric von Osten nahm auf Anraten seiner Sponsoren zeitgleich an einer Weltcup-Tour teil und belegte bei einem Wettbewerb in Kanada einen unglaublichen zweiten Platz. Aber auch der als Favorit gehandelte René Konrad laboriert mit einer Verletzung und belegte daher in Harburg in der Königsklasse „Open Men“ den dritten Platz. Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Überhaupt scheint den Athleten ein ungesunder Konkurrenzkampf völlig fremd zu sein. Vor den Sprüngen klatschen sie sich mit geheimen Handzeichen ab und wünschen ihren Konkurrenten Glück. Geht tatsächlich mal einer baden, bauen ihn die anderen wieder auf und klopfen dem Gestrauchelten aufmunternd auf die Schulter.
Dass es sich um Funsportler handelt, ist auch modisch zu sehen: Bunte, mit wilden Mustern bedruckte Shorts der Marke BillaBong werden tief auf den Hüften getragen. Dazu gehört eine Prallschutzweste, ein Helm und ein ebenfalls quietschbuntes Wakeboard. Wieder auf dem Trockenen wird das Outfit vorzugsweise mit einer Wuschelfrisur á la Justin Bieber, einem Hoodie (Kaputzenpullover), Baseballcap und Sonnenbrille abgerundet. Die Mädels sind hingerissen. „Tolle Jungs, aufregender Sport, ideales Wetter, was will frau mehr?“, strahlt Wakeboard-Fan Carina Steinfurth, die mit ihrer Freundin gekommen ist.
Besonders Adrian Abeck aus Hamm, der auf den Spitznamen „Wookie“ hört, hat es den weiblichen Fans angetan. Als der 18-Jährige seinen besten Trick, den Wirlybird zeigt, ist auf der Tribüne ein kollektiv Seufzen zu hören.
Die Wakeboarder könnten schon im kommenden Jahr vor einem Millionenpublikum in London um Medaillen springen: Vielleicht wird der Sport olympisch. Derzeit stehen neben Wakeboard noch Sportklettern, Baseball, Wushu (chinesischer Kampfsport), Karate, Rollersport und Squash auf der Short List. Aber nur eine dieser Disziplinen wird ausgewählt.
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