Zwei Jahre ohne Wohnung

Vera S. hofft, eine eigene Wohnung für sich und ihren Sohn zu bekommen. Dieses Anliegen unterstützt die Straßensozialarbeit in Lurup/ Osdorf. Foto: da
Hamburg: Lurup |

Die junge Mutter Vera S. hofft auf das Ende ihrer Odysee

In Lurup und im Osdorfer Born schlafen Menschen nicht unter Brücken, und doch weiß Sozialarbeiter Rodney Espe vom Streetwork Lurup/Osdorf: „Es gibt eine versteckte Obdachlosigkeit ­ – es fehlt an bezahlbarem Wohnraum.“ Ungefähr zwei Jungerwachsene wenden sich jede Woche an die Straßensozialarbeit in Lurup und Osdorf, weil sie eine eigene Wohnung suchen. Menschen wie die 24-jährige Vera S. (Name geändert), die sich so sehr nach einer eigenen Wohnung sehnt.
Vera S. ist nicht im engeren Sinne obdachlos, sondern kommt immer wieder bei Freundinnen unter. Wohnungslos wurde die Mutter des sechsjährigen Peter (Name geändert), als sie die Schläge ihres Partners nicht mehr ertragen konnte. Vera S. nahm ihre Taschen und verließ die Wohnung. „Ich irrte nachts durch die Straßen, weinte, wusste nicht wohin.“ Schließlich kamen sie und ihr Sohn bei einer Freundin unter.
Eine Odyssee zwischen Ämtern, Unterkünften und Freundinnen begann für die Russin, deren Eltern abgeschoben worden waren. Sie selbst lebte jahrelang ohne gültige Papiere in Hamburg. Jetzt hat Vera eine sogenannte „Duldung“ von der Ausländerbehörde bekommen. Auf eine eigene Wohnung wartet sie seit zwei Jahren. „Es ist furchtbar, keine Wohnung zu haben“, weiß Vera S. So konnte Peter keine Freunde in die heruntergekommene Wohnunterkunft (WuK) einladen, und nachts hatte er Angst, über lange Flure zur Toilette zu gehen.
Jetzt hat Vera neue Hoffnung geschöpft: Über eine Freundin hat die zierliche Frau die Straßensozialarbeit Lurup/Osdorf kennengelernt. Seit acht Wochen wird sie von Rodney Espe betreut. „Hier sind alle zuverlässig und hilfsbereit –­ hier wird man unterstützt“, freut sich Vera S.
Das Ende ihrer Odysee scheint zu nahen. Seit zehn Jahren lebt Vera jetzt in Deutschland, erst bei den Eltern, dann illegal bei ihrem Freund – und mittlerweile zwischen Ämtern, Unterkünften und Bezirken hin- und herverwiesen. Jetzt lebt sie in der Wohnung einer Freundin, die mit ihrem Freund zusammenziehen will. Vera S. und Peter könnten bald offiziell in Osdorf wohnen. Rodney Espe will Vera S. helfen, Untermieterin der Zweizimmerwohnung zu werden. „Ich wäre so froh“, sagt Vera S., „wenn ich mit meinem Sohn endlich in einer eigenen Wohnung leben könnte.“

Hilfen bei Wohnungsnotfällen: Bezirksamt und Straßensozialarbeit
Genaue Angaben über die Anzahl der Obdachlosen oder Wohnungslosen im Bezirk Altona sind schwer zu erhalten. Die Hilfseinrichtung „fördern & wohnen“ bietet im Bezirk 1.216 Wohnplätze für Zuwanderer und Wohnungslose, beispielsweise am Sieversstücken 3 oder am Kroonhorst 113a-115d. „Durch die gemeinsame Unterbringung von Zuwanderern und Wohnungslosen kann zwischen diesen nicht genau differenziert werden“, sagt Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamtes Altona.
Menschen, die eine Beratung für eine Wohnung brauchen, können sich an die Fachstelle für Wohnungsnotfälle des Sozialen Dienstleistungszentrums in Altona wenden: Alte Königstraße 29-39, S 428 11 22 99 oder
S 428 11 20 47.
Die Straßensozialarbeit Lurup/ Osdorf berät, begleitet und unterstützt Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren. „Jeder, der Sorgen hat, kann sich an uns wenden“, betont Streetworker Rodney Espe – und meint damit auch Wohnungssuchende. In
Osdorf sind die insgesamt drei Sozialarbeiter im Streetworkbüro am Kroonhorst 11 zu erreichen,
S 84 45 96. In Lurup unterstützen die Sozialarbeiter vom Büro aus, das am Ammernweg 56 liegt, Tel. 41 91 18 18. DA
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Hella Estebruegge aus Eimsbüttel | 22.01.2013 | 18:09  
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