„Wir können keinen zwingen, nach Lurup zu gehen“

In Lurup ist es schwer, Termine beim Arzt zu bekommen. Umso mehr fürchten Patienten im Flüsseviertel die eventuell bevorstehende Schließung der Praxis Dr. Lange. (Foto: Panthermedia)

Kein Nachfolger in Sicht – Patienten aus dem Flüsseviertel bangen um die Hausarzt-Praxis in der Franzosenkoppel 104.

Am 24. März vergangenen Jahres erlag ein beliebter Luruper Hausarzt, Dr. Dirk Lange, mit erst 48 Jahren einem Krebsleiden. Nun befürchten Patienten, dass die alt eingesessene Praxis schließen muss. Sie scheint keinen Nachfolger zu finden.
Seit elf Monaten arbeiten in der Praxis wechselnde Ärzte. Aber es findet sich anscheinend keiner, der die Praxis in der Franzosenkoppel 104 dauerhaft übernehmen möchte. Für viele, die im Umkreis wohnen, eine schlechte Nachricht. Neue Patienten werden gar nicht mehr angenommen und an die Ärzte an der Elbgaustraße oder am Eckhofplatz verwiesen. Mit dem Zusatz: „Das wird sicher schwierig, denn die sind auch schon sehr ausgebucht.“
Besonders bitter ist die Situation für die vier Angestellten der Praxis. Sie wissen nicht, ob sie nach dem 1. April überhaupt noch einen Job haben.
Der Erbe von Dr. Dirk Lange und jetzige Verwalter der Praxis will, so die Auskunft aus der Praxis, mit der Presse nicht in Kontakt treten. Er soll die Praxis für eine fünfstellige Summe anbieten. Ein Preis, der an der unteren Grenze liegt. Je nach Ausstattung würden bei der Übergabe von Arztpraxen Summen gezahlt, die in die Millionen gehen können, so Dr. Jochen Kriens von der Kassenärztlichen Vereinigung.
Die mischt sich im Übrigen nicht ein. Kriens: „In einem Fall wie dem geschilderten ist es grundsätzlich so, dass die Erben für die Nachfolgeverhandlungen zuständig sind, das heißt, sie müssten einen Antrag auf Ausschreibung und Wiederbesetzung des Arztsitzes beim zuständigen Zulassungsausschuss stellen.“
Dass eine Kassenarztpraxis ganz schließen muss, weil kein Nachfolger zu finden ist, kommt in Hamburg so gut wie gar nicht vor. Arztsitze sind hier normalerweise sehr begehrt und bleiben nicht lange unbesetzt. Kriens: „Es gibt mehr Ärzte, die nach Hamburg wollen, als es Arztsitze in der Stadt gibt.“ Arztsitze verfallen, wenn sie sechs Monate lang nicht besetzt sind. „Aber wir können keinen zwingen, nach Lurup zu gehen.“
Eine Hoffnung für die Luruper aus dem Flüsseviertel gibt es noch. Die Räume der Praxis, vom Bauverein der Elbgemeinden BVE gemietet. sind noch nicht gekündigt worden. BVE-Sprecher Sönke Petersen: „Wir haben da bisher keine Aktien drin. Aber natürlich würden wir nach einer eventuellen Kündigung ebenfalls nach einen Arzt als Mieter suchen. Denn es sind ja unsere Mitglieder, die dort ärztlich versorgt werden.“
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