Vom Industriegebiet zum Wohnviertel – ohne Protest

Seit rund 80 Jahren eine Institution in Lurup: Hermes Schleifmittel, 1927 in Hamburg gegründet. Generationen von Lurupern haben hier gearbeitet. Ein Großteil der Produktion wurde allerdings an andere Standorte in zwölf Ländern verlagert. 70 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erzielt, die Verwaltung soll jedoch in Lurup bleiben.
Hamburg: Lurup | von Reinhard Schwarz.
Industrie und Wohnen nebeneinander, ohne das sich diese Bereiche ins Gehege kommen – das ist das Ziel des neuen Bebungsplanentwurfs Lurup 63. Für Lurup ein einschneidender Plan, denn ein Teil der alten Firmengebäude von Hermes Schleifmittel wird abgerissen, an dessen Stelle wird der Neubau von etwa 250 Wohnungen möglich. Die 1927 gegründete Schleifmittelfabrik ist in Lurup seit mehr als 80 Jahren ansässig. „Das ist ein bedeutender Schritt, denn hier wird ein altes Industriegelände in ein Wohngebiet umgewandelt“, erklärte Sven Hielscher (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Planungsausschusses im Bezirk Altona.
Doch wer wird auf dem freiwerdenden Gelände die so dringend benötigten Wohnungen bauen? Angeblich befindet sich Hermes Schleifmittel in Verhandlungen mit Investoren. Genaueres war nicht zu erfahren, da sich der Geschäftsführer im Urlaub befindet. Klar ist jedoch, dass die Politik sich einen ausgewogenen Mix aus Sozialwohnungen und frei finanzierten Wohnungen wünscht. „Die Politik hat gegenüber Hermes den Wunsch geäußert, dass entsprechende Kaufinteressenten berücksichtigt werden“, formuliert Sven Hielscher diplomatisch.
Es gilt als offenes Geheimnis, dass Hermes verkaufen muss, um „wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben“, so Thomas Adrian, Altonas SPD-Fraktionsvorsitzender. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren Schulden angehäuft, heißt es aus Kreisen der Politik, der Grundstücksverkauf soll hier Entlastung bringen. Ein anderes Unternehmen befindet sich hingegen im Aufwind: Die ebenfalls im Gebiet ansässige DMG Dental Technik will sich erweitern, erklärte Thomas Adrian: „Das ist Glück im Unglück.“ DMG wird sich entsprechend vergrößern, wie es der Bebauungsplan für den nördlichen Teil vorsieht.
Derweil liegt der Bebauungsplanentwurf im Technischen Rathaus in der Jessenstraße 1-3 in Altona-Altstadt öffentlich aus, doch die Resonanz sei bisher gleich Null, so Kerstin Goden-
schwege, Sprecherin des Bezirksamtes Altona: „Derzeit liegen uns noch keine Stellungnahmen von betroffenen Anwohnern und Eigentümern vor.“ Diese haben noch bis 26. August die Möglichkeit, Anregungen oder Einwendungen vorzubringen.
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