Teure Betreuung

Mit vier Kindern - zwei studieren, zwei gehen zur Schule - kommt die alleinerziehende, voll berufstätige Renate W. mit ihrem Geld immer gerade so hin. Dass die Betreuung für ihre achtjährige Tochter nach Enführung der Ganztagsschule so viel teurer geworden ist, belastet die Haushaltskasse sehr.
 
Die Betreuung von Schulkindern an der zu diesem Schuljahr eingeführten Hamburger Ganztagsschule soll die Eltern nicht mehr kosten als die frühere Betreuung im Hort. Das hat Schulsenator Ties Rabe versprochen. (Foto: Foto: S. Hofschlaeger/pixelio)

Mutter zahlt für die Betreuung einer Drittklässlerin an der Ganztagsschule vier mal mehr als vorher im Hort.

Was Renate W. (Name der Redaktion bekannt) alles wuppt, davon können andere nur träumen: Alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Vollzeitstelle als Psychologin. Dazu das eigene Haus. W. muss an allen Ecken und Enden sparen, aber sie beklagt sich nicht. Nur eines kann sie richtig wütend machen: wenn sie den Eindruck hat, sie wird vom Staat für ihre Tüchtigkeit auch noch bestraft. So wie jetzt von der Hamburger Schulbehörde.
Mit der Einführung der Ganztagsschule in Hamburg wurde vom Schulsenator ein Versprechen abgegeben: Keiner sollte für die Betreuung seines Kindes mehr zahlen müssen als vorher. Das wurde W. auch in der Fridtjof-Nansen-Schule versichert, die ihre achtjährige Tochter besucht. „Das ist aber nicht so“, sagt Renate W. „Die Betreuung ist jetzt sogar viel teurer.“
Sie rechnet vor: Als es noch keine Ganztagsschule gab, wurde Luise im Hort von 13 bis 18 Uhr betreut, auch in den Ferien. Für fünf Stunden am Tag inklusive Mittagessen zahlte Renate W. 31 Euro im Monat.
Und heute? Jetzt kostet die Betreuung nach dem Unterricht und in sieben Ferienwochen 58,13 Euro im Monat. „697,56 Euro im Jahr. Das ist so viel, dass ich mir beispielsweise die Betreuung für noch mehr Ferienwochen, die ich als voll berufstätige Alleinerziehende dringend bräuchte, nicht leisten kann“, sagt W.
Aber der Clou: Das Mittagessen ist in diesem Betrag noch gar nicht enthalten. Während Sozialhilfeempfänger kein Essensgeld zu zahlen brauchen, muss Renate W. wegen ihres verhältnismäßig hohen Gehaltes 75 Prozent übernehmen: 2,99 Euro pro Mahlzeit. „Das heißt, es kommen knapp 60 Euro im Monat dazu. Schließlich kannst du dein Kind ja nicht ohne Essen lassen.“ Fazit: Der Gesamtbetrag für die Betreuung kostet jetzt knapp vier mal so viel wie die frühere Hortbetreuung.
In der Schulbehörde nachgefragt, sagt Sprecher Thomas Bressau: „Der Senator hat zugesagt, dass keiner für die Betreuung seines Kindes mehr zahlen muss als vor der Einführung der Ganztagsschule. Dazu stehen wir. Frau W. bekommt einen Termin in der Schulbehörde, damit wir ihre Zahlen gemeinsam durchgehen und prüfen können.“

Hintergrund
Warum muss Renate W. so viel mehr für die Betreuung ihres Kindes an der Ganztagsschule zahlen als vorher für den Hort?
Früher wurde am Bezirksamt Altona ausgerechnet, was sie für die Hortbetreuung zu zahlen hatte. Als Grundlage der Berechnung diente W.’s Gehalt – minus vieler Posten, die sie davon abziehen konnte: von Fahrtkosten über Krankenversicherung und Riesterbeiträge bis zu Hausrat- und Haftpflichtversicherung.
Die Schulbehörde hat die Möglichkeiten stark eingeschränkt, Ausgaben vom Einkommen abzuziehen. Dadurch wird die Berechnungsgrundlage eine andere: W. hat plötzlich – auf dem Papier – ein höheres Nettoeinkommen. Da aber die Beträge, die Eltern für die Betreuung zahlen müssen, nach Einkommen gestaffelt sind, muss sie entsprechend mehr zahlen.

Info im Internet
Informationen zum Thema Ganztagsschule und Betreuung gibt es auf der Internetseite www.hamburg.de/ganztag
Dort finden sich rechts die Ausfüllhilfe für die Kostenberechnung für die Betreuung und in der Mitte (FAQ) Fragen und Antworten dazu.
Unter Punkt 7 „Keiner zahlt mehr“ ist die Möglichkeit aufgeführt, Rückerstattungen zu viel gezahlter Kosten zu bekommen.
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