Schönste Straße Deutschlands in Gefahr

Nur drei bis fünf Meter breit und ohne Gehwege: Die Bewohner des Brach- vogelwegs finden, dass ihre Straße für den Durchgangs- und Anlieferverkehr für eine große Kita nicht geeignet ist. (Foto: cvs)
Hamburg: Brachvogelweg |

Lurup: Bürger des Brachvogelwegs wehren sich gegen Kita-Neubau mit 120 Plätzen und den dadurch zu erwartenden Autoverkehr

Christopher von Savigny, Lurup

Als sich im Jahr 2002 eine Gruppe von jungen Hamburgern zusammentat, um im Brachvogelweg ein gemeinschaftlich verwaltetes Wohnprojekt zu gründen, war dies für alle Beteiligten ein Glücksfall: Die Gegend nördlich des Fahrenorts war weitgehend ruhig, autofrei und bot Kindern Platz zum Spielen. Doch jetzt droht das Luruper Familienidyll Risse zu bekommen: Denn der Kitaträger SterniPark möchte am Ende der Straße, die als Sackgasse ausgelegt ist, eine Großkita errichten. Für die Anwohner der beschaulichen Spielstraße – Autofahrer dürfen dort nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein – eine Katastrophe. Sie befürchten ein Verkehrschaos. „Die Straße ist unsere Lebensader“, sagt Katja Wulf, Mitglied der Brachvogel eG.
Geplant ist im Brachvogelweg laut Auskunft der SterniPark GmbH ein Rundbau mit 120 Kitaplätzen, einem Kinderrestaurant, einer Küche, vier Mitarbeiterwohnungen sowie einer Tiefgarage. Mit dem Bau will SterniPark beginnen, sobald die entsprechende Genehmigung vorliegt. Die Bauzeit soll „nach Möglichkeit“ neun Monate nicht überschreiten.
Was die Bewohner besonders ärgert: Wäre das Grundstück der benachbarten Emmaus-Gemeinde zugeschlagen worden, würde die Zufahrt künftig von der anderen Seite – vom Kleiberweg – her erfolgen. Doch die Kirche, die ebenfalls an dem Areal interessiert gewesen soll, hat offenbar nichts von der Ausschreibung erfahren.
Benachbarte Kirche wusste nichts von dem Verkauf
Das Luruper Forum fordert Politik und Verwaltung daher dazu auf, die Entscheidung nochmal zu überdenken. „Wir können nicht nachvollziehen, warum eine Information der langansässigen Kitaträger im Stadtteil und insbesondere der Emmaus-Gemeinde vor der Vergabe nicht stattgefunden hat“, sagt Sabine Tengeler, Mitglied der Geschäftsführung.
In der Siedlung Brachvogelweg wohnen derzeit 112 Menschen, davon 23 Kinder unter 14 Jahren. Das Wohnprojekt wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2013 als eine der „schönsten Straßen Deutschlands“.
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