Schlecker-Aus: Protest und Goldgräberstimmung

Auf Schnäppchenjagd bei Schlecker an der Luruper Hauptstraße: „Wir kaufen nur ausnahmsweise hier ein, ansonsten ist uns Schlecker zu teuer“, sagen Christin Beier und Marek Krol aus Lurup (mit Tara, li., und Justus, beide ein Jahr alt). Foto: cvs
Hamburg: Schlecker Luruper Hauptstraße |

Standort an der Luruper Hauptstraße schließt am Sonnabend – zwei Luruper Filialen bleiben

von Christopher von Savigny

Bei manchen Kunden der Schlecker-Filiale an der Luruper Hauptstraße herrscht derzeit Goldgräberstimmung. „30 Prozent auf alles“ ist auf den Schildern zu lesen – am Sonnabend soll der Markt für immer schließen. Körbeweise tragen Kunden Shampoo, Deo und Haushaltswaren davon. „Sonst kaufe ich hier nie ein. Aber bei diesem Rabatt musste ich einfach zuschlagen“, sagt Jenny Freund aus Lurup. Doch es gibt auch Protest. „Frechheit“, schimpft eine ältere, gehbehinderte Dame. „Wo soll ich denn nun einkaufen?“
Rund zwei Monate, nachdem der Drogeriekonzern Insolvenz angemeldet hat, steht fest, welche Filialen aufgegeben werden: In Lurup wird dies der Standort
Luruper Hauptstraße sein. Am Eckhoffplatz, in den Elbgau-Passagen und im Born Center geht der Betrieb dagegen weiter. Von den 65 Filialen in der Hansestadt sind 28 betroffen, also knapp die Hälfte. Deutschlandweit sollen rund 2.000 Filialen geschlossen werden.
Allerdings: Gesichert ist der Konzern damit noch lange nicht. „Es kommt jetzt darauf an, ob ein Investor gefunden wird“, sagt Firmensprecher Konstantin Steinitz. Dieser soll der angeschlagenen Drogeriekette wieder auf die Beine helfen.
Derzeit bemüht sich Schlecker in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft ver.di darum, eine Transfergesellschaft aufzubauen. Dort sollen möglichst viele der ehemaligen Mitarbeiter unterkommen. „Man ist bei Schlecker bestrebt und auch optimistisch, eine solche Transfergesellschaft errichten zu können“, berichtet Konstantin Steinitz. Trotzdem, so räumt der Sprecher ein, stehe „knapp die Hälfte“ der Mitarbeiter vor ihrer Entlassung. Weitere könnten folgen. „400 Filialen stehen deutschlandweit auf der Revisionsliste, könnten also zusätzlich geschlossen werden“, erläutert Pressesprecher Steinitz. Um niemanden zu verunsichern, wolle man die betroffenen Standorte nicht preisgeben.
Ver.di-Sprecher Jörg-Dieter Bischke-Pergande nennt die Diskussion um Schlecker ein „unwürdiges Gezerre“. Gewerkschaft und Betriebsräte seien gerade dabei, die Streichliste zu überprüfen. „Vielleicht kann man den einen oder anderen Markt ja doch noch retten“, so Jörg-Dieter Bischke-Pergande.
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