Mobbing bei der Lebenshilfe Schenefeld

Will einen Fall von Mobbing aufklären: Lebenshilfe GmbH Geschäftsführer Hans-Jacob Goßler.

Anonyme Vorwürfe per Mail; Verein hat eine Mediatorin beauftragt.

Von Christopher von Savigny.
Es brodelt bei der Lebenshilfe Schenefeld: Ein anonymer Schreiber erhebt per Mail schwere Mobbingvorwürfe.
Es werde „vertuscht, ausgesessen und kleingeredet“ heißt es in dem Schreiben. Von Begünstigung einer der Wohngruppen ist die Rede. Bei der Lebenshilfe räumt man zwar ein, dass es Probleme gibt, ärgert sich aber über die Art und Weise, wie sie an die Öffentlichkeit getragen werden. Michael Freundt, seit zwei Jahren Vorsitzender der Lebenshilfe, ist zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird. „Wir dulden kein Mobbing“, sagt er. „Wir dulden aber auch keine Verleumdung.“
Konkret sind die Vorwürfe nicht – es wird lediglich die Wohngruppe am Entenweg erwähnt, in der auch Freundts behinderter Sohn lebt. Diese, behauptet der Schreiber, werde besser behandelt als die anderen elf Wohngruppen. Bei näherer Betrachtung scheint an diesen Vorwürfen nicht viel dran zu sein: „Das ist Kinderkram“, sagt Freundt. „Offensichtlich geht es um Sonderanschaffungen – ein Faxgerät und ein Sofa. Das Fax wurde vor meiner Zeit angeschafft, das Sofa ging an eine andere Wohngruppe.“ Bei ihm werde niemand begünstigt: „Vorstandsamt und Elternschaft muss man strikt voneinander trennen“, so Freundt.
Mobbing am Arbeitsplatz gesteht dafür Hans-Jacob Goßler ein, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Lebenshilfe GmbH, die die Werkstätten und die Gärtnerei des Vereins betreut. „Wir sind gerade dabei, eine Sache aufzuklären“, so Goßler. Es sei eine externe Mediatorin beauftragt worden. Auch der Betriebsrat zieht jetzt Konsequenzen. „Wir sind dabei, ein neues Leitbild für den Umgang der Mitarbeiter untereinander zu ent-
wickeln“, sagt der Vorsitzende Manfred Thiel. Einige Kollegen hätten sich beschwert. Auffällig sei auch die große Anzahl an Kündigungen im letzten Jahr. „Vier wurden entlassen, drei sind aus eigenem Wunsch gegangen. In anderen Jahren geht höchstens mal einer weg.“
Über die anonymen Vorwürfe wundert sich Ex-Betriebsratschef Peter Rudnik. „Probleme kann man doch auf direktem Weg lösen!“

Als „Mobbing“ (von engl. „to mob“, jemanden anpöbeln) wird im Allgemeinen Psychoterror am Arbeitsplatz bezeichnet. Ziel ist es, den Betroffenen aus dem Betrieb hinauszuekeln. In Deutschland ist Mobbing unter Kollegen in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus gerückt: Die Gerichte haben die Rechte der betroffenen Arbeitnehmer gestärkt und die Pflichten der Arbeitgeber erweitert.
Interessant: Den Begriff „Mobbing“ hat 1963 der Verhaltensforscher Konrad Lorenz eingeführt. Damit bezeichnete er Gruppenangriffe von Tieren auf einen überlegenen Feind, zum Beispiel von Gänsen auf einen Fuchs. In englischsprachigen Ländern heißt es übrigens nicht „mobbing“ sondern „bullying“.
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