Luruper Forum: Kein „Sparhammer“ für die Jugendarbeit!

Maja Singer vom Jugendcafé Lurup, Anna-Tasja Gurol vom Mädchentreff Lurup und Christina Malliaraki vom Jugendtreff Netzestraße (v. l.) kritisieren den „Sparhammer“ der Sozialbehörde. Dieser würde in Hamburgs Kinder- und Jugendarbeit und in der „Förderung der Erziehung in der Familie“ 3,5 Millionen Euro streichen, der Bezirk Altona müsste auf fast 469.000 Euro verzichten. Foto: da
 
Einstimmig hat das Lurup Forum die geplanten Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit kritisiert. Foto: da
Hamburg: Schule Langbargheide |

Breite Kritik an Behördenplan zu Kürzung von fast 500.000 Euro im Bezirk Altona

Dieses Vorhaben empört viele Aktive in Lurup ­– und darüber hinaus: Die Sozialbehörde plant, im nächsten Jahr hamburgweit die Mittel für Kinder- und Jugendarbeit und für die „Förderung der Erziehung in der Familie“ um 3,5 Millionen Euro zu kürzen. Allein der Bezirk Altona müsste dann im nächsten Jahr mit knapp 469.000 Euro weniger auskommen. Gegen diese Rotstiftpolitik regt sich Widerstand – auch in Lurup. Die Sozialbehörde jedoch verweist auf den Gesamthaushaltsplan, der insgesamt mehr Mittel für Familie und Jugend vorsehe – beispielsweise durch die ganztägige Betreuung in Schule und Kita (siehe Info-Kasten).
Gesche Boehlich (GAL) überzeugt dies nicht. Sie verweist auf die unterschiedlichen Aufgaben von Schulen und Jugendhilfe. Während Schulen in erster Linie bilden sollen, kümmere sich Jugendhilfe „vor allem um Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen“. Manche fallen in der Schule durch die Maschen – „sie brauchen einen anderen Ort“, so die GALierin.
Karsten Strasser (Linke) teilt diese Sichtweise: „Wenn die Kürzungen umgesetzt werden, können wichtige Projekte in sozialen Brennpunkten nicht in gleichem Umfang fortgestzt werden. Die soziale Spaltung wird vertieft.“
Auch der Stadtteilbeirat Luruper Forum warnt in einer Resolution vor dem Rotstift. Kenner verweisen auf die stabilisierende Funktion, die Einrichtungen wie das Jugendcafé Lurup, Luur-up oder der Jugendtreff Netzestraße haben.
Auch in den Einrichtungen selbst regt sich Unmut. „Gerade bei denen, die nichts oder gar nichts haben, wird gekürzt. Im offenen Kinder- und Jugendbereich zu sparen, ist eine Unverschämtheit“, kritisiert Anna-Tasja Gurol vom Mädchentreff Lurup den „Sparhammer“.
Christina Malliaraki, Leiterin des Jugendtreffs Netzestraße, betont: „Die Jugendlichen sagen, dass wir ihr ‚zweites Zuhause’ sind – die Kürzungen gefährden unsere Angebote.“ Maja Singer, stellvertretende Leiterin des Jugendcafés Lurup, ergänzt: „Wir bieten den Jugendlichen ganz viele Angebote. Sie finden bei uns einen Raum, in dem sie sich frei entfalten können, aber auch Hilfe bekommen.“
Ob die Kritiker Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Im Juni will der Senat den Haushaltsplanentwurf beschließen.

Behörde: "Mehr Mittel für Familie und Jugend"
Die Sozial- und Familienbehörde räumt ein, dass 2013 hamburgweit 3,5 Millionen Euro weniger für die offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie die „Förderung der Erziehung in der Familie“ - beispielsweise durch Elternschule und Erziehungsberatung - aufgewendet werden. Somit bekommt der Bezirk Altona 10,3 Prozent weniger an sogenannten Rahmenzuweisungen von der Behörde.
Gleichwohl betont Nicole Serocka, Pressesprecherin der Sozial- und Familienbehörde: „Insgesamt wird im Bereich Familie und Jugend nicht gekürzt, sondern es werden 2013 mehr Mittel zur
Verfügung stehen als 2012“ – allerdings nicht in jedem Haushaltstitel. Die Sprecherin verweist auf immer mehr Ganztagsschulen und den Ausbau der Kindertagesbetreuung. Folge: „Auf manches parallele Angebot kann verzichtet werden.“
Die Anbieter aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit können sich um andere Gelder bewerben, hebt die Behördensprecherin hervor. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf sogenannte „sozialräumliche Angebote“, die Sozialberatung mit praktischer Lebenshilfe verbinden. In diesem Fall kooperieren die Einrichtungen mit dem „Allgemeinen Sozialen Dienst“ des Jugendamtes.
Nicole Serocka: „Wenn die Träger ihr Angebot anpassen und gute Konzepte vorlegen, können als sozialräumliches Angebot an die zusätzlichen Gelder kommen.“ DA
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