Leider total verbaut

Verbaut und schadhaft: Das alte Bauernhaus an der Kieler Straße 623 war nicht zu erhalten, wurde abgerissen. (Foto: Stuart Manlove)

Altes Bauernhaus an der Kieler Straße abgerissen – „Da war nichts Erhaltenswertes mehr dran“

Gaby Pöpleu, Eidelstedt

Im ehemaligen Bauerndorf Eidelstedt gibt es nicht mehr viele Häuser, die an die landwirtschaftliche Vergangenheit des Stadtteils erinnern. Kürzlich fiel wieder eines der Abrissbirne zum Opfer, das Haus an der Kieler Straße 623 zwischen Olloweg und Reichsbahnstraße. „Sind bald alle historischen Gebäude verschwunden?“, sorgt sich Fotograf Stuart Manlove, der gegenüber ein Fotostudio betreibt. „Ich finde es sehr schade, dass dieses Haus wegkam.“
Tatsächlich stand das Haus, füher Familiensitz der Optiker-Familie Geißler, nicht unter Denkmalschutz. „Das Haus war innen total kaputt“, weiß die frühere Mieterin Jessica Sileo, die bis vor Kurzem einen Laden für naturnahes Wohnen in dem Haus betrieb. „Das Bad war hinüber, die Wände feucht.“
Als dann Besitzer Reinhold Geißler mit fast 100 Jahren verstarb, mussten die Erben entscheiden: Lohnt sich eine Res-taurierung des maroden Gemäuers? „Daran war nichts mehr erhaltenswert“, sagt Geißlers Enkelin Stefanie Schmitz, „Das Haus war über die Jahrzehnte immer den Notwendigkeiten des Lebens angepasst worden. Altes gab es bis auf ein paar Backsteinmauern nicht mehr.“ So waren zum Beispiel neue Fenster eingesetzt, ein Anbau hinzugefügt, eine zweite Wohnung ausgebaut und das ursprüngliche Reetdach durch Eternitplatten ersetzt worden. Selbst das Fachwerk war kein „echtes“, diente Deko-Zwecken.

Sanierung wäre nicht sinnvoll gewesen

Für eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes hätte man eine große Summe in mittlerer sechsstelliger Größenordnung in die Hand nehmen müssen, schätzt Stefanie Schmitz. „Das wäre bei diesem Haus nicht sinnvoll gewesen. So haben wir verkauft.“
Der Käufer will auf dem Grundstück Wohnungen bauen. Dem Bauamt liegen laut Sprecher Elmar Schleif vom Bezirksamt Eimsbüttel schon Voranfragen, aber noch kein Bauantrag vor. Geplant sind zwei große Wohnhäuser: Direkt an der Kieler Straße sollen auf drei Etagen plus Staffelgeschoss 14, in einem hinteren Haus auf zwei Etagen plus Staffelgeschoss zehn Wohnungen entstehen. „Die Planungen entsprechen den städtebaulichen Zielen für das Gebiet“, bestätigt Schleif. „Vorn eine abschirmende, geschlossene Blockrandbebauung und rück-wärtig ein weiteres, abgesetztes Wohngebäude.“
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Peter Mayer aus Stellingen | 08.09.2016 | 14:13  
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