Im Niemandsland der Radfahrer

Stückwerk: der neu verlegte Radweg an der Haltestelle Rugenbarg (Nord). Entlang der Strecke nach Schenefeld (Metrobuslinie 2) sind auch die Haltepunkte Tannenberg, Eckhoffplatz, Flurstraße (Nord), Luckmoor und Engelbrechtweg betroffen.

Rugenbarg: Behörde baut Radweg, der nach wenigen Metern wieder aufhört.

Von Christopher von Savigny.
Man könnte glauben, da hat sich jemand einen Jux erlaubt: Ein Radweg wird neu gebaut – um nach wenigen Metern wieder zu enden. So gesehen an der Bushaltestelle „Rugenbarg (Nord)“ an der Luruper Hauptstraße. Kurz nachdem man die Elbgaustraße in Richtung stadtauswärts überquert hat, findet man sich unmittelbar im Radfahrer-Niemandsland wieder: Die schönen roten Betonpflastersteine enden ebenso plötzlich, wie sie begonnen haben. Kein Hinweisschild weit und breit. Was tun? Schieben? Auf der Straße weiterfahren? Eigentlich zu gefährlich.
Verantwortlich für den Umbau ist die Hamburger Verkehrsbehörde (BWVI), die derzeit im Rahmen der Busbeschleunigung sämtliche Metrobus-Haltestellen neu gestalten lässt. Ziel ist es, die Abfertigung der Fahrgäste so zeitsparend wie möglich abzuwickeln. Häufig verschwindet dabei die Haltebucht, damit die Busse schneller anhalten und wieder losfahren können. Der Bürgersteig wird verbreitert – umso erstaunlicher, dass für Radfahrer mit einem Mal kein Platz mehr sein soll.
Warum das Ganze? Hat man Hamburgs Pedalritter beim Umbau schlicht vergessen? Nein, sagt BWVI-Sprecherin Helma Krstanoski. „Es ist nicht nötig, den Radweg an dieser Stelle fortzuführen, weil die Benutzungspflicht aufgehoben wurde.“ Tatsächlich dürfen Radler auf der Luruper Hauptstraße seit einigen Monaten die Fahrbahn benutzen – darauf weisen auch entsprechende Verkehrszeichen hin. „Es ist der Normalzustand, dass Radfahrer auf der Straße fahren“, so Krstanoski. Daher mache der weitere Radwegeausbau keinen Sinn.
Über die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht freut sich Dirk Lau, Hamburger Pressesprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Wir setzen uns dafür ein, weil Radfahrer auf der Straße sehr viel sicherer unterwegs sind“, so Lau. Auch seien die technischen Standards inzwischen so, dass man keine Radwege mehr um Bushaltestellen mehr herum baue. „Dort passieren die meisten Unfälle mit Fußgängern“, berichtet der ADFC-Sprecher. Nicht verstehen kann Lau, dass überhaupt neue Radwegplatten verbaut wurden. „Das Geld hätte man sich sparen können, um es in sinnvollere Projekte zu stecken“, so der ADFC-Mann abschließend.
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