Gefährlicher Lüdersring?

Der Lüdersring: Eine Siedlung im Grünen, doch das Image leidet nach einer Vergewaltigung im Oktober. Foto: rs
Hamburg: Lüdersring |

Quartier ist nach einer Gewalttat in der Diskussion – Anwohner: „Wir haben keine Angst“

Reinhard Schwarz, Lurup
Eine Nachricht sorgte Ende Oktober für erhebliche Unruhe in Lurup: Eine 25-Jährige war am Lüdersring vergewaltigt worden. Der Täter konnte fliehen. Kurz darauf veröffentlichte eine Tageszeitung einen Bericht über den Lüdersring. Tenor: Die Straße sei eine der gefährlichs-ten Hamburgs, Angst herrsche in der Siedlung mit den vielen Hochhäusern.
Das Wochenblatt fragte bei der Polizei nach: Gilt der Lüdersring als eine der gefährlichsten Straßen Hamburgs? „Diese Behauptung beruht auf keinerlei Fakten“, so Polizeisprecherin Ulrike Sweden. „Wir schlüsseln unsere Kriminalstatistik nicht nach Straßen auf, sondern nach Stadtteilen.“ Und nach der Statistik liegt Lurup mit 112 erfassten Fällen der Gewaltkriminalität in 2011 beispielsweise im Mittelfeld zwischen
Rissen (20 Fälle) und Sternschanze (226).
Doch bekanntlich spielt auch die gefühlte Bedrohung eine Rolle. Was sagen Anwohner? „Dass der Lüdersring gefährlich ist, kann ich so nicht bestätigen“, sagt Einzelhandelskaufmann Eike Klindwordt (29), der seit drei Jahren mit seiner Frau und Tochter (1,5 Jahre) am Lüdersring wohnt. „Alle sind sehr höflich zueinander. Natürlich ist die Vergewaltigung schlimm, aber so was passiert leider überall.“
Heidrun Meins (50), gelernte Verkäuferin aus dem Moorwisch, meint: „Ich finde es hier eigentlich gar nicht gefährlich, obwohl ich natürlich nicht weiß, wie es hier abends ist.“ Angst habe sie nicht, sagt die 50-Jährige: „Ich habe 14 Jahre am Lüdersring gewohnt. Früher war da mehr los, da war jeden zweiten Tag die Polizei da. Das war Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Ich bin bisher nie bedroht worden.“
Einige Jugendliche stehen vor einem Billardtreff an der Langbargheide. Zuerst wollen sie nichts sagen, doch dann sprudelt es aus ihnen heraus: Das sei „alles gelogen“, „von der Presse aufgebauscht“. In den 90er Jahren sei es wohl schlimm gewesen, doch diese Zeiten seien vorbei.
Rentner Georg Walter (65) sitzt an einem Kiosk: „Die Jugendbanden von damals sind alle älter und ruhiger geworden. Ich fühle mich nicht bedroht: Hier wohnen Russen, Türken und Deutsche friedlich zusammen. Das wird alles aufgebauscht.“
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1 Kommentar
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waldemar petri aus Lurup | 10.04.2013 | 14:41  
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