Fluglärm – wie wird es bloß leiser?

Streitpunkt Flugzeuge: Der Lärm bei Starts und Landungen belastet immer mehr Menschen im Hamburger Westen.

Politiker und Bürger liegen sich mit Vorschlägen gegen laute Starts und Landungen quer – eine Übersicht

Der Flughafen ist laut – es muss sich etwas ändern. Darin sind sich viele Politiker und Bürger aus dem Hamburger Westen einig. Was kann die Politik tun? Was tut sie? Reicht das aus? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Der Streit um Fluglärm im Hamburger Westen ist seit Jahren ein Dauerthema. Der SPD-Senat will nun mit einer Beauftragten für Fluglärmschutz und mit strengeren Regeln für Airlines Verbesserungen erreichen. Das Elbe Wochenblatt fasst zusammen, was Politiker und Bürger sich davon versprechen.

Politiker: „Wir tun was“

Fluglärm im Hamburger Westen – Anne Krischok und Frank Schmitt (beide SPD) kennen das Thema seit Jahren. Krischok ist im Umweltausschuss der Bürgerschaft, Schmitt Bürgerschaftsabgeordneter aus Lurup. Nun sind die Klagen gegenüber der Politik lauter geworden: Seit Ende 2013 nehmen die Beschwerden über laute Starts und Landungen, vor allem frühmorgens und nachts, zu. Immer mehr Bürger im Hamburger Westen sind betroffen – in Osdorf und Lurup, in Blankenese und Nienstedten, in Stellingen und Eidelstedt.
Die Politik beschäftigt sich schon seit mehreren Monaten mit einem 16-Punkte-Plan, der den Lärm des Flughafens verringern soll. Bei zwei Punkten hat sich was getan, betonen Krischok und Schmitt. Zum einen gibtes strengere Regeln bei späten Flügen: Airlines sollen erhöhte Gebühren bezahlen, wenn ihre Flieger nach Mitternacht starten oder landen (1.300 statt zuvor 500 Euro). Und die Beauftragte für Fluglärmschutz soll mehr Rechte bekommen, um Bußgelder und Sanktionen zu verhängen. Dafür will Hamburg nun eigens ein Gesetz erlassen.
Schwierig wird es bei Forderungen wie einem leiseren
Anflugverfahren, das Fluglärmgegner schon länger fordern. Denn das könne Hamburg nicht allein entscheiden: Dafür müsse mit dem Bund verhandelt werden, so Krischok. Und das kann dauern.


Bürgerinitiative: „Das reicht nicht“


Sie sind die Stimme derjenigen, die unter lauten Fliegern leiden: Vertreter der Initiative gegen Fluglärm (IFL) im Hamburger Westen setzen sich dafür ein, dass es leiser wird. Das Handeln der Politiker sehen sie skeptisch, den 16-Punkte-Plan nennen sie zum Beispiel einen „Papiertiger“. Ein Beispiel: Bußgelder für Verspätungen würden bisher nichts bringen. Denn allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es mehr Flüge nach 23 Uhr als im Vorjahreszeitraum (217 statt 201). Weiterer Kritikpunkt: Die Kompetenzen der Fluglärmschutzbeuaftragten seien begrenzt, so die IFL. Sie habe zwar Vorschlagsrechte, könne aber nichts durchsetzen.
Für die IFL sind zwei Punkte besonders wichtig: geänderte Flugrouten und ein anderes Startverfahren. So sei seit gut drei Jahren zu beobachten, dass immer mehr Jets über Wohngebiete im Hamburger Westen fliegen. Die IFL fordet, die Maschinen mehr über Gewerbe-und Industriegebiete zu leiten.
Zudem sei das in Hamburg übliche flache Startverfahren besonders laut für die Menschen am Boden. Ein Beispiel aus Lurup: An einem Tag im April hoben 60 Prozent der Maschinen auf diese Weise ab. „Vor allem Billigflieger starten sehr flach“, zitiert die IFL Quellen aus der Abteilung Fluglärmschutz. Aus Sicht der
Initiative knickt Hamburg vor den Airlines und dem Flug-
hafen ein.


Sagen Sie uns Ihre Meinung!


Soll Hamburg Bußgelder und Sanktionen für den Flughafen verstärken, um Lärm über Wohngebieten zu vermeiden? Oder ist es wichtiger, dass möglichst viele Flüge hier landen und abgehen?
Schreiben Sie uns!
Wochenblatt-Redaktion, Stichwort „Fluglärm“
Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg
E-Mail: post@wochenblatt-redaktion.de
Betreff: Fluglärm
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
12
Peter Mayer aus Stellingen | 10.07.2016 | 19:34  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.