Die Efeu-Riesen von Lurup

Dieses schöne Baum-Monster steht - passenderweise - im Baumläuferweg. Magda Peters vielen Dank - sie hat uns darauf aufmerksam gemacht.

Hier gibt es besonders viele auffällig berankte und überwachsene große Bäume.

Das Gespenst aus dem Baumläuferweg ist das schönste. Es hat abstehende Arme, mit denen es von fern zu winken scheint, einen dicken Kopf und wirkt so, als wolle es im nächsten Augenblick mit Siebenmeilenschritten davonlaufen.
Wer Augen im Kopf hat, findet sie überall in Lurup: Bäume, die so mit Efeu überwuchert sind, dass sie ganz eigene, zum Teil sehr seltsame Formen annehmen. Das Gespenst vom Baumläuferweg ist eine überwachsene Birke.
Aber auch anderswo finden sich Efeu-geschmückte Bäume: An der Ecke Kleiberweg und Jevenstedter Straße steht eine ganze Gruppe – selbst im tiefsten Winter ein immergrünes Wäldchen, bis in 20 Metern Höhe sind die Bäume voller Blätter. Nur: Es sind nicht ihre eigenen, sondern die des Efeus, der bis nach oben geklettert ist.
Schön, oder? Im Bezirksamt - für die Bäume in den öffentlichen Anlagen Altonas zuständig, sieht man das nicht unbedingt so: „Eine großflächige Ausbreitung von Efeu im Kronenbereich kann statische Probleme und eine damit verbundene Bruchgefahr durch die Blattmasse und dadurch bedingt eine erhöhte Angriffsfläche für Winddruck oder auch durch Schneelasten bereiten“. In anderen Worte: Der Efeu bietet dem Wind mehr Angriffsfläche und dem Schnee mehr Liegefläche als kahle Äste. Dadurch können diese eher brechen.
Eine Mär ist es aber, dass Efeu Bäume tötet, weil er ihnen den „Saft abzapft“ oder sie erdrosselt oder so verdunkelt, dass sie nicht mehr genug Licht bekommen. So meint der BUND: „Das Schreck-ensgemälde des Efeus als Baumtöter wird in keiner Untersuchung bestätigt“. Im Gegenteil: Alte Efeupflanzen an Bäumen müssten geschützt werden, weil sie die Lebensgrundlage für eine große Anzahl von Tieren und Pflanzen ist. Vor allem leben jede Menge Insekten im Efeu - und diese wiederum ziehen Vögel an. Außerdem siedeln bis zu knapp 50 Pilzarten am Efeu.

Efeu erschließt neue Lebensräume


Werner Smolnik von der NABU-Gruppe Altona ist entschiedener Anwalt des Efeus: „Efeubewuchs kann minimal schwächend wirken, aber der Baum kann das ausgleichen.
Durch Berankung mit Efeu entstehen ganz neue Lebensräume, das ist so spannend dass man mehrere Doktorarbeiten darüber schreiben könnte.
Efeu ist die Heimat nicht nur von Insekten und Vögeln, sondern auch von Kleinsäugern: Fledermäusen dient Efeu als Sommerquartier und als Esszimmer. Im Efeu tummeln sich Haselmaus, Gelbhalsmaus, die seltene Waldbirkenmaus und der Baummarder, gelegentlich sogar der seltene Laubfrosch.
Ich glaube, Efeubewuchs hat überwiegend positive Effekte. Viele Straßenbäume sind beispielsweise so beschnitten, dass der Stamm meterhoch ganz glatt ist, und dann kommt die Krone. Das ist unnatürlich, dient aber der Verkehrssicherheit. Würde man diese Bäume beranken, könnte das ihr Leben verlängern, weil Licht und Trockenheit ihrer Rinde weniger schaden können.
Ich habe selbst schon viele Bäume mit kleinen Efeupflänzchen beglückt und kann nur alle Leute, die die Möglichkeit dazu haben, dazu ermutigen.“
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