„Abzocke“ im Namen des Goethe-Gymnasiums?

Jörg Schwerdtfeger fühlt sich von einer Sponsoring-Aktion für das Goethe-Gymnasium über den Tisch gezogen.
Hamburg: Goethe-Gymnasium |

Werbeverträge: Geschäftsmann ärgert sich über Kooperation einer Luruper Schule mit Medizingeräte-Vertrieb

Geld für eine gute Sache, für schnelle Hilfe im Notfall an der Schule: Diese Idee fand auch Jörg Schwerdtfeger gut, als ihm eine Vertreterin einen Sponsorenvertrag andrehen wollte. Nachdem er unterschrieben und das Kleingedruckte gelesen hatte, ärgerte er sich richtig: „Das ist echte Abzocke – und das mit dem guten Namen des Goethe-Gymnasiums.“
Es geht um Werbeverträge, die die Berliner Firma Defi-Med mit lokalen Unternehmen abschließt. Geschäfte können sich auf einer Sponsorentafel an Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen präsentieren und bezahlen dafür. Von dem Geld werden Defibrillatoren – Notfallgeräte bei Herzversagen – angeschafft. Auch das Goethe-Gymnasium in Lurup erhielt vor etwa drei Jahren über eine Kooperation kostenlos solch ein Gerät. So weit, so gut.
Schwerdtfeger stört jedoch die Masche, mit der sich die Defi-Med-Vertreterin den Vertrag sicherte: „Sie erweckte den Eindruck, dass sie im Auftrag des Gymnasiums unterwegs ist. Erst ganz am Ende des Gesprächs kam heraus, dass sie von der Firma Defi-Med ist“, schildert der Eidelstedter Nachilfeanbieter. Das Unternehmen weist die Kritik zurück.

„Das sind Knebelverträge“

Für einen Drei-Jahres-Vertrag sollte Schwertfeger 750 Euro brutto zahlen – kündbar ein halbes Jahr vor Vertragsende, ansonsten verlängert sich der Kontrakt automatisch um weitere drei Jahre. „Das sind Knebelverträge“, so der Unternehmer. Er finde es erstaunlich, dass die Schule ihren guten Namen dafür hergebe. Und er will so schnell wie möglich kündigen.
Beim Goethe-Gymnasium versteht man die Aufregung nicht. „Hier ist der Unternehmer gefragt, Kosten und Nutzen für sein Unternehmen abzuwägen, bevor er irgendwelche vertraglichen Verbindungen eingeht“, so Schulleiter Egon Tegge. Defi-Med sei nicht im Auftrag des Goethe-Gymnasiums unterwegs. Und die Schule bekomme von den Werbeeinnahmen nichts.
Stimmt nur teilweise. Denn es gibt laut Defi-Med eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Firma und der Schule. In einem Schreiben warb Tegge selbst für die Sponsoring-Aktion. Dort heißt es: „Mit Ihrem Inserat unterstützen Sie unsere Arbeit, denn von jedem Kunden erhalten wir eine Prämie für die Schulkasse.“
Defi-Med teilte mit, dass der Vertrag mit Jörg Schwerdtfeger wieder aufgelöst werde.

Sponsoring als Einnahmequelle

Ein Defibrillator ist ein Notfallgerät, das bei akutem Herzversagen eingesetzt wird. Manche Modelle können auch Laien bedienen – mit diesen Geräten hat die Firma Defi-Med ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt. Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen bietet das Berliner Unternehmen kostenlos an, einen Defibrillator aufzuhängen. Im Gegenzug bekommt Defi-Med Werbeflächen vor Ort. Es werden Geschäftspartner gesucht, die mit ihren Anzeigen Anschaffung und Unterhalt des Geräts finanzieren. Mit der Werbepartnerschaft kann Defi-Med offenbar viel mehr Geld einnehmen, als die Installation eines Defibrillators kostet. In Lurup zum Beipiel sind nach Auskunft der Schule bis zu 15 Sponsoren geworben worden. Defi-Med gab auf Wochenblatt-Anfrage keine Zahlen heraus. Ein Rechenbeispiel: Zahlt jeder Kunde 800 Euro, kommen bis zu 12.000 Euro zusammen. Ein Defibrillator kostet schätzungsweise zwischen 1.000 und 2.000 Euro.
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