Lenzsiedlung wehrt sich gegen Mieterhöhung

Sie engagieren sich für günstiges Wohnen: Mitstreiterinnen der „Lenz-Ini“ mit Sprecherin Manuela Pagels (l.). (Foto: cvs)
Hamburg: Lenzsiedlung Lokstedt |

Sozialbindung läuft aus: Bewohner gründen Mieterinitiative

Ch. v. Savigny, Lokstedt

30 Euro mehr im Monat – das klingt erstmal nicht nach viel. „Es ist sicherlich nicht die Summe, die einen in die Armut stürzt“, sagt Manuela Pagels, Bewohnerin der Lenzsiedlung. Nichtsdestotrotz hat die Linken-Bezirksabgeordnete jetzt gemeinsam mit rund 150 Anwohnern und Nachbarn eine Mieterinitiative gegründet. Die „Lenz-Ini“ setzt sich für bezahlbare Mietpreise im Quartier ein. Hintergrund ist das Auslaufen der Sozialbindung für rund 850 Wohnungen. Der Vermieter, die Saga/GWG, hat bereits die ersten Erhöhungsbescheide rausgeschickt, die im Januar 2017 in Kraft treten sollen. „Wir haben leider kaum rechtliche Möglichkeiten, da das gesetzlich so geregelt ist“, sagt Pagels. „Die einzige Möglichkeit, die uns bleibt, ist, an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Im Schnitt 5,30 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter

Die Lenzsiedlung wurde in den 1970er Jahren erbaut. Sozialwohnungen kosteten bislang im Durchschnitt 5,30 Euro kalt pro Quadratmeter. Jetzt, 30 bis 40 Jahre danach, fällt die Mietpreisbindung laut Gesetz weg. Anwohnerin Nermina Cano lebt seit 36 Jahren in der Siedlung, für ihre Drei-Zimmer-Wohnung zahlt sie momentan 5,61 Euro kalt pro Quadratmeter. „Bei einer einmaligen Erhöhung wird es wahrscheinlich nicht bleiben“, fürchtet sie.

Saga: „Preiswertes Wohnen bleibt möglich“


Was sagt der Vermieter? „Grundsätzlich orientiert sich Saga bei der Preisgestaltung an dem Mittelwert des Mietenspiegels“, so Unternehmenssprecher Michael Ahrens. Im Fall der Lenzsiedlung werde die angepasste Nettokaltmiete mit künftig zwischen 5,70 Euro und 6,50 Euro pro Quadratmeter sogar in weiten Bereichen unter diesem Mittelwert liegen. Dies gelte sowohl für Bestandsmieten als auch für Neuvermietungen. „Konkret bedeutet das, dass in der Lenzsiedlung auch künftig ein preiswertes Wohnen in innerstädtischer Lage möglich sein wird“, sagt Ahrens. In jedem Fall werde die Erhöhung einen Maximalbetrag von 30 Euro monatlich nicht überschreiten.
An eine Garantie für billiges Wohnen mag die Initiative trotzdem nicht so recht glauben. „Die Gegend wird aufgewertet, es wird viel gebaut. Das wirkt sich sicher auf die Preise aus“, sagt Pagels. Aktuell überlegt die „Lenz-Ini“, ob sie der Mieterhöhung zustimmen soll. Pagels: „Die Alternative wäre, vor Gericht zu ziehen.“

Wenige günstige Neubauten

In Eimsbüttel entsteht kaum günstiger Wohnraum neu, Mietpreise für Neuverträge in Altbauten wie Neubauten liegen im Schnitt um die zwölf Euro kalt pro Quadratmeter, teilweise deutlich darüber. Es werden kaum neue Sozialwohnungen gebaut, Mietgarantien laufen aus. Derzeit gibt es in Eimsbüttel, Stellingen und Lokstedt insgesamt noch etwa 1.920 Sozialwohnungen, die vorrangig an Langzeitarbeitslose, Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger vergeben werden. Bis 2020 verlieren allerdings etwa 1.230 Einheiten die günstigen Konditionen – das sind zwei Drittel des Bestands. Laut Mieterverein zu Hamburg gilt die Sozialbindung in der Regel nur noch für 15 Jahre statt wie zuvor für 30 oder 40 Jahre.
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