14 Stockwerke, 1.000 Wohnungen: Als die Lenzsiedlung gebaut wurde

Schon von weitem zu sehen: Die markanten Gebäude der Lenzsiedlung in der Nähe der U-Bahn-Station Lutterothstraße. (Foto: pr)
Hamburg: Lenzsiedlung Lokstedt |

Martin Streb hat die Hochhaussiedlung in Lokstedt entworfen

Martin Streb vermisst die Farbe an den Häusern der Lenzsiedlung. Er steht im Innenhof des Hochhauskomplexes in Lokstedt. „Damals war hier alles in Blautönen gehalten. Die einzelnen Eingänge sollten sich voneinander unterscheiden.“ Heute sind die Fassaden hell, im Sonnenlicht scheint die Lenzsiedlung regelrecht zu leuchten.
Streb hat den Komplex entworfen. Wo früher 300 Schrebergärten waren, begann 1974 der Bau einer der letzten Großsiedlungen in Hamburg. Bis zu 14 Stockwerke hoch, insgesamt 1.000 Wohnungen. Einen Straßenzug weiter beginnt Eimsbüttel mit seinen Altbauquartieren.
„Man dachte damals, mit so großen Siedlungen Urbanität zu erzeugen“, erzählt Streb. Viele günstige Wohnungen sollten entstehen. Und: Die nur mäßig ausgelastete U-Bahn-Station Lutterothstraße sollte stärker belebt werden. „Damals stiegen hier fast nur die Schrebergärtner aus“, weiß Streb.
In sechs Blöcken wurden die Hochhäuser um einen Innenhof gruppiert, Freiflächen, Spielplätze dazwischen, es sollte auch ein Marktzentrum entstehen – eine Art Mini-Stadt in der Stadt. Nicht alles hat so geklappt, wie sich das die Planer vorstellten. „Keine Arbeitsplätze, kein Gewerbe: Die Mischung aus Wohnen und Arbeiten hat sich nicht ergeben“, so Streb.
Die Gebäude sind im Prinzip wie ein großes kompliziertes Puzzle gebaut: Alle Häuser bestehen aus tausenden Betonfertigteilen, die am Bau zusammengefügt wurden. Ähnlich puzzleartig ist die Bewohnerschaft zusammengefügt worden. Nur haben manche Teile nicht zu den anderen gepasst. In der Siedlung leben mehr als 3.000 Menschen aus 60 Ländern – mit etwa 400 Bewohnern pro Hektar die höchste Einwohnerdichte Hamburgs. Es gab Konflikte, die Siedlung kam in Verruf. „Man hat die Leute einfach da reingesetzt und sich nicht um sie gekümmert“, so Streb. Das ist heute anders: Es gibt viele soziale Initiativen, Beratung, Unterstützung, ein Bürgerhaus als Treffpunkt.
Von vielen Menschen hört Martin Streb, dass sie gerne in der Lenzsiedlung wohnen. „Das freut mich.“ Auch wenn die Häuser heute nicht mehr so bunt sind wie damals.
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2 Kommentare
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 01.01.2014 | 11:43  
Carsten Vitt aus Eimsbüttel | 03.01.2014 | 19:11  
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