Wie Borussia Harburg den Wiederaufstieg packte

Borussias Aufstiegsmannschaft 1965: Interimstrainer Gerloff (von links), Obmann Kaiser, Soltmann, Petersen, Peters, Zschüzschner, H. Meyer, W. Meyer, Palatz, Muhs, Diedrichsen, Trainer Schygulla. Knieend von links: Finkeldey,von Soosten und Binding. Foto: der sport

Aus dem Harburger Fußballarchiv: Die Top-Saison 1964/65

W. Düse, Hamburg Süd

Zehn Jahre können lang werden, sehr lang. Am 23. Mai 1965 steht endlich fest, dass Borussia Harburg nach zehnjähriger Abwesenheit wieder den Aufstieg in Hamburgs höchste Fußballklasse geschafft hat. Nur ein Mitglied des Kaders, der im Sommer 1956 den traurigen Abstieg in die hamburgische Zweitklassigkeit verbockt hat, ist noch dabei, um genießen zu können. Nur Peters, nicht die beiden Torhüter Nußbaum und Willumeit, nicht die Feldspieler Behrens, Beitzer, Hamann, Hase, Kohlen, Römer, Rosenstock, Schönfeldt, Siemers, Viets oder Wilhelms.
Mitte September 1964. Nach dem vierten Spieltag der Hansa-Staffel scheint sich der Süden einig zu sein, sich in dieser Saison in der Abstiegsfrage keine Antwort aus Norderelbien aufdrängen zu lassen. Der FTSV Neuhof, Viktoria, Borussia, Finkenwerder und Bostelbek belegen von unten nach oben die letzten fünf Ränge der Tabelle. Erwähnt werden muss, dass Spitzenreiter Union 03 bereits fünf Zähler mehr auf der Uhr hat als Borussia.
Krankheit des Trainers hielt Team nicht auf
Dann starten die Rot-Schwarzen eine fulminante Serie: 2:1 bei „Vikta“ Wilhelmsburg, 1:0 gegen Viktoria, 3:2 in Bostelbek, 5:2 bei Güldenstern Stade, 1:1 gegen Einigkeit, 3:2 gegen den Eimsbütteler SV, 2:1 in Neuhof. Die Winterpause kommt ungelegen, aber Borussia macht 1965 weiter, als sei nichts gewesen. Am letzten Januar-Wochenende feiern dann 1.000 Zuschauer auf der Eichenhöhe nicht nur ein 3:1 gegen Angstgegner Buchholz 08, sondern auch den neuen Tabellenführer.
Selbst eine fünfmonatige Krankheit von Trainer Schygulla wirft Borussia nicht aus der Bahn. Auch unter seinem Vertreter Gerloff reihen Mannschaftskapitän Binding, Diedrichsen, Finkeldey, H. Meyer, W. Meyer, Muhs, Palatz, Peters, Petersen, Soltmann, von Soosten und Zschüzschner Erfolgserlebnis an Erfolgserlebnis. Auch Union 03 lässt nicht nach, aber Borussia behält die Nerven und am Ende einen Punkt Vorsprung. Zehn quälende Jahre sind Vergangenheit.
Doch die Neigung des Fußballs zu kaum erträglichen Brutalitäten wird am Saisonende deutlich: Der erste Absteiger ETV steht schon seit Wochen fest. Davor sind drei Mannschaften punktgleich – Sasel, Borussia und Rasensport. Der zweite Absteiger muss in Entscheidungsspielen ermittelt werden. Doch das ist eine andere Geschichte.
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