Zwang zur Tonne

Hausmüll, Bioabfall, Altpapier und Wertstoffe: In Hamburg ist Mülltrennung Pflicht, aber nicht alle machen mit. Foto: stadtreinigung hamburg

Stadtreinigung schreibt Hausbesitzern Behälter
für Altpapier und Biomüll vor

Carsten Vitt, Wilhelmsburg

Altpapier, Verpackungen, Bioabfälle und Restmüll müssen in Hamburg seit 2011 getrennt gesammelt werden. Haus- und Grundeigentümer haben dafür zu sorgen, dass es vier verschiedene Tonnen gibt. Aber viele Haushalte haben die extra Tonnen immer noch nicht. Die Stadtreinigung verschickt nun Zwangsbescheide – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer muss die Tonnen aufstellen?
Alle Grundstückseigentümer – allerdings nur, sofern auf deren Anwesen Platz dafür ist. Probleme bereiten häufig dicht bebaute Viertel wie das Reiherstiegviertel oder Ottensen, wo es kleine Keller und kaum Flächen vor dem Haus gibt. Die Stadtreinigung prüft vor Ort, wo Tonnen aufgestellt werden können.

Wie viele Haushalte haben Altpapier- und Biotonnen?
Hamburgweit können laut Stadtreinigung 536.000 Haushalte eine Biotonne nutzen, 696.000 eine Altpapiertonne. Das ist eine Quote von etwa 80 (Biomüll) beziehungsweise 90 Prozent (Altpapier). Etwa 11.500 Grundeigentümer haben bisher die Mülltonnenpflicht ignoriert. Da setzt die Stadtreinigung nun auf Zwang und verschickt Bescheide.

Was bringen die Tonnen Mietern?

Es geht um Umweltschutz und auch bares Geld. Denn blaue Papiertonnen stellt die Stadtreinigung ohne Zusatzgebühren auf. Die grüne Biotonne kostet 20 Prozent der Gebühr einer gleich großen schwarzen Restmülltonne. „Wenn man den Hausmüll sorgfältig trennt und auf die vier unterschiedlichen Tonnen aufteilt, kann man die Restmülltonne verkleinern und spart Gebühren. Das können durchaus 50 Prozent Ersparnis sein“, so Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung. „Wer trennt, der spart und schützt die Umwelt“ – mit diesem Motto wirbt daher Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) für die Mülltrennung.



Musterknabe Saga

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg

Viele Mieter im Hamburger Süden möchten ihren Müll getrennt sammeln. Aber nicht überall haben die Eigentümer Altpapier- und Biotonnen aufgestellt. Wie halten es die Saga und der Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) – zwei der größten Wohnungseigentümer im Hamburger Süden? Das Elbe Wochenblatt hat nachgefragt.
Der EBV bietet „in den meis-ten seiner über 3.000 Wohnungen Hausmüll-, Wertstoff, Bio- und Papierentsorgung an“, teilt EBV-Vorstand Joachim Bode auf Anfrage mit.
Warum nicht überall? Aus Platzgründen oder weil, wie etwa in der Innenstadt am Harburger Ring, der Standort „ungünstig“ ist. Hier würde der Müll, so die Befürchtung, meist in der falschen Tonne landen. Joachim Bode: „In Kellergeschossen werden ebenfalls keine Biotonnen aufgestellt. Das führt zu Geruchs- und Gewichtsproblemen bei der Entsorgung.“
Hamburger
Recyclingoffensive

Im Rahmen der Recyclingoffensive hat der EBV nach Absprache mit der Stadtreinigung zusätzliche Mülltonnen aufgestellt. „Wir haben frühzeitig sämtliche Bedingungen erfüllt“, so Bode. „Bei Neubauvorhaben wird grundsätzlich mit allen Tonnen geplant.“
Die Saga betreut im Hamburger Süden gut 20.000 Wohnungen, davon in Wilhelmsburg 8.000 Wohnungen, in Harburg 6.000, in Süderelbe 6.500. „Die Ausstattung unseres Bestands mit vier verschiedenen Mülltonnen ist in Abstimmung mit der Stadtreinigung abgeschlossen“, teilt Saga-Sprecher Gunnar Gläser mit. „Im Zuge der Hamburger Recyclingoffensive hat die Saga bereits vor mehreren Jahren Begehungen mit der Stadtreinigung an betroffenen Standorten durchgeführt und im Anschluss das Behältervolumen für den Bioabfall festgelegt.
Dieses richtet sich nach den einzelnen Standorten sowie der Anzahl und dem Verbrauchsverhalten der Mieter.“

Hintergrund
Seit 2011 müssen in Hamburger Haushalten neben den schwarzen Hausmüll- und den gelben Wertstofftonnen auch blaue Altpapier- und grüne Biotonnen vorhanden sein. Grundeigentümer müssen dafür sorgen, dass Mietern die Behälter zur Verfügung gestellt werden. Die Tonnen können bei der Stadtreinigung
unter Tel. 25 76 27 77 und
Tel. 25 76 27 99 bestellt werden.
❱❱ www.stadtreinigung.hamburg
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