„Wir sind die Guten!“

Helfen ist ihr Leben: Manfred und Heidi Buchholz sind „Abschlepper“ mit Leib und Seele. Mit von der Partie ist auch Pannenhelfer Stavros Kolidis (r.) und eine 41 Tonnen schwere Bergungszugmaschine, die auf 500 PS kommt. Foto: tsi
Hamburg: Abschleppdienst Buchholz |

Abschlepper Manfred Buchholz hat viel erlebt,
aus seinen Erinnerungen schreibt er jetzt ein Buch

Andreas Tsilis, Wilhelmsburg

Als Kind überlebte Manfred Buchholz (80) Tieffliegerangriffe, als Erwachsener rettete er Menschenleben, barg Tote und Verletzte und räumte Unfallstellen. Über sein Leben schreibt der Abschleppunternehmer nun ein Buch. Neben allerhand Privatem dürfte der Beruf viele Seiten füllen.
Als Buchholz vor fast 60 Jahren sein Abschleppunternehmen gründete, war von abhörsicherem Polizeifunk weit und breit keine Spur. Krachte es in Hamburgs Landen, bekam nicht nur der findige Buchholz Wind von der Sache. „Da tummelten sich manchmal bis zu fünf Mitstreiter zeitgleich am Unfallort“, erinnert er sich. Kam er dann mit „seiner Kelble“ angebraust, hatten Konkurrenten nicht selten das Nachsehen. „Meine
Kelble“, sagt Buchholz liebevoll, „die war schon was besonderes.“ Mit 400 PS war sie in den 1970er Jahren so etwas wie die „Dampfwalze“ unter den Zugmaschinen. Weltweit gab es davon nur drei Stück. Buchholz zog damit jeden Karren aus dem Dreck.

Tote Fische auf der A 7

Von den vielen Erinnerungen hat sich die mit den toten Fischen auf der A7 besonders in sein Gedächtnis gebrannt: „Es war ein glühend heißer Tag in den 1990ern, als wir gerufen wurden“, erinnert sich Buchholz. Ein mit Lebend-Lachs beladener Lkw war havariert, und Buchholz sollte den Lastzug bergen.
Die Polizei hatte bereits den Abtransport der überlebenden Tiere durch nahegelegene Fischhändler sichergestellt, als sich Buchholz daran machte, den Anhänger zu bergen. Am Ende gelang es nur unter Zuhilfenahme der auf der Fahrbahn liegenden toten Fische. „Der Lachs war besonders fettig, wir benutzten ihn als Gleitmittel“ , erinnert sich Buchholz.
Auch wenn sich seit der Jahrtausendwende vieles in der Abschleppbranche geändert hat, die meisten Leute sind immer noch froh, wenn Buchholz zum Unfallort kommt. „Wir sind die Guten“, schmunzelt Tochter Heidi. „Wir schleppen nach Panne und Unfall ab.“ Wer einer von den Guten werden möchte: Heidi Buchholz (S 754 43 68) sucht noch zwei Fahrer, die neben „Herzblut und Sachverstand“ ein „dickes Fell“ haben sollten. Der Frust über das schrottreife Auto ist bei manchem Autofahrer dann eben doch größer als die Freude überlebt zu haben.
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