„Wir setzen einen eigenen Akzent“

 
Auftritt im Bürgerhaus: Das Café Royal Salonorchester eröffnet am 7. April das 9. Elbinsel-Gipsy-Festival. FotoS: AD/pr

Trifft das Programm des Bürgerhauses Wilhelmsburg den „Massengeschmack“? – Interview mit Bettina Kiehn

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg

Für Ralf Bendowski (58) ist der Fall klar: „Für normal ausgerichtete Wilhelmsburger ist im Programm des Bürgerhauses nichts dabei. In den 90er-Jahren hat Sweet da mal gespielt. Da war ‘was los. Aber so etwas gab es seit Jahren nicht mehr. Ich hab’ das Gefühl, die wollen solche Konzerte gar nicht.“ Bendowski besucht jetzt regelmäßig den Harburger Rieckhof. „Zuletzt war ich bei der AC/DC-Coverband Bon Scott“, erzählt der Kirchdorfer. Aber ist sein Vorwurf überhaupt gerechtfertigt? Bietet das Bürgerhaus nur ein Programm für Randgruppen? Im Wochenblatt-Interview nimmt Bettina Kiehn (Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg) Stellung.
Ist das Bürgerhaus für Konzerte geeignet?
Ja. Mit unserer professionell ausgestatteten Bühne und einer Saalkapazität von 700 Personen (bestuhlt), ergänzt durch das auch für Veranstaltungen nutzbare Foyer, ist das Bürgerhaus für jede Art von Kulturveranstaltung geeignet. Es wird von den unterschiedlichsten Veranstaltern und Gruppen genutzt. Das wird auch nach der Sanierung so bleiben.
Wie viele Konzerte haben 2016 im Bürgerhaus stattgefunden? In 2016 haben bei uns zum Beispiel fünf Jazzfrühshoppen stattgefunden, die Inseldeerns waren im Frühjahr und in der Vorweihnachtszeit bei uns zu Gast, ebenso wie das Airbus- und auch das Bandonionorchester mit seinem traditionsreichen Tanztee.
Die Elbphilharmonie ist wichtiger Kooperationspartner, wenn es um ein Angebot für junge Familien und Kinder geht, im letzten Jahr waren das die Babykonzerte und „Dr. Sound“. Für Freunde neuer Musik gibt es die Reihe „Ohrknacker“ des Trio Catch.
Mit dem Netzwerk „Musik von den Elbinseln“ gehen wir direkt in den Stadtteil. Allen voran natürlich „48h Wilhelmsburg“: Das waren in 2016 schon alleine 148 Konzerte an 63 Orten.
Glauben Sie, Wilhelmsburger interessieren sich nicht für „populäre Musik- und Kulturveranstaltungen“ wie etwa Westernhagen- oder AC/DC-Coverbands oder einen Auftritt von Lotto King Karl? Auf den Elbinseln, in Hamburg-Süd spielt an vielen Orten die Musik. Es gibt regelmäßige Angebote für jeden Geschmack, viele Veranstaltungsorte haben sich mit Konzerten in speziellen Genres einen Namen gemacht. Da sind natürlich die „großen“ wie die Honigfabrik und der Rieckhof, in dem etwa jedes Jahr Lotto King Karl und Emmy Willnowski auftreten, aber auch kleinere Perlen, wie zum Beispiel die Kulturkirche Veddel, das TurTur oder das Heimatmuseum, die spannende Konzertprogramme haben.
Wir wollen die bestehenden Angebote – auch die im nur eine S-Bahn Station entfernten Rieckhof – nicht doppeln, sondern setzen einen eigenen Akzent mit unserer Arbeit.
Sehen Sie es als Aufgabe des Bürgerhauses, Veranstaltungen für ein „breiteres Publikum“ anzubieten? Unsere Aufgabe ist es, Kultur erlebbar zu machen und Menschen zu ermuntern, selbst mitzugestalten. Konzertveranstaltungen sind hierbei nur eins von vielen Elementen. Es lohnt sich, auch die scheinbar „kleineren“ Formate, die sich speziellen Themen widmen, im Blick zu haben.
Mit den „Klangwerkstätten“ des Musiknetzwerks, dem Outer-National-Young-Orchestra, gemeinsamen Singen bei „Geh‘ aus mein Herz“, der „KinderKulturKarawane“, die jedes Jahr für zwei Wochen im Bürgerhaus und dem Tor-zur-Welt Bildungszentrum mit Workshops und Aufführungen halt macht, dem Theaterprojekt „Konfetti“, in dem Schüler der Schule an der Burgweide mit Demenzkranken aus Wilhelmsburger Pflegeeinrichtungen aktiv sind oder dem Chor der Weltkapelle, um nur einige Beispiele zu nennen, erreichen wir sehr viele Menschen von den Elbinseln.
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