Wilhelmsburg hat einen neuen Sportverein

Süri Bacak (l.) und Udo Hattermann haben gemeinsam Wilhelmsburgs neuesten Sprotverein gegründet. Foto: pr

SC Wilhelmsburg: Unzufriedene Trainer gründen eigenen Verein

Von Anna Sosnowski.
Sieben Jahre lang hat sich Udo Hattermann ehrenamtlich im Vorstand des SV Wilhelmsburg von 1888 engagiert, dann wandte er dem mit 1.600 Mitgliedern größten Verein der Elbinsel enttäuscht den Rücken zu. Am 5. November gründete der pensionierte Unternehmensberater einen neuen Sportverein: den SC Wilhelmsburg. Jetzt will der ehemalige Sportwart Ideen umsetzen, mit denen er beim SV Wilhelmsburg auf taube Ohren stieß. Sein Verein wird unter anderem Seniorenkurse, Kegeln, Nordic Walking, Bauchtanz und Lauftreffs anbieten – noch fehlen jedoch Hallenzeiten (siehe Infokasten). Außerdem sind Kooperationen mit Kirchen, Schulen und Seniorenheimen geplant.
Etwa 60 Mitglieder konnte Hattermann schon von dem neuen Konzept überzeugen. An Erfahrung mangelt es ihm nicht. „Ich habe ganz alleine einen Großteil des Breitensports beim SV Wilhelmsburg gegründet“, sagt der 71-Jährige, der auch als Trainer für Turnen und Leichtathletik arbeitete.
Auch Karate-Trainer Süri Bacak hat zum neuen Verein gewechselt. Vor vier Jahren hatte er beim SV Wilhelmsburg mit Hattermanns Hilfe, eine Karate-Abteilung aufgebaut, die zuletzt 45 Mitglieder zählte. „Wir haben einen Hamburger Meister und einen Vizemeister. Das war ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Bacak stolz. Unterstützung vom Verein gab es dennoch nicht.
Vorwurf: SV Wilhelmsburg verteilt Beiträge ungerecht
„Ich fordere seit Jahren Matten. Meine Kinder trainieren barfuß in einer Halle mit eiskalten Boden“, erzählt er. Für die Neuanschaffung fehle Geld, hieß es auf seine Anfragen. „Dabei hat die Karate-Abteilung ein dickes Plus gemacht“, sagt der 51-Jährige bitter. Hattermann und er werfen der Vereinsverwaltung vor, die Mitgliedsbeiträge ungerecht zu verteilen. „Alle müssen die Fußball-Abteilung mittragen. Das ist ungerecht“, kritisieren sie.
Dirk Tatge, Geschäftsführer des SV Wilhelmsburg, weist die Vorwürfe zurück. „Es gibt ganz klare Verteilungsschlüssel. Ich als Vorsitzender fühle mich für alle Sportarten verantwortlich“, sagt er. „Wir stellen Geld zur Verfügung, wenn Geld da ist.“ Das gelte auch für neue Angebote, in die immer viel investiert werden müsse. Zum Ärger mit dem ehemaligen Sportwart möchte er nur so viel sagen: „Herr Hattermann hat Interna nach außen getragen.“ Deshalb habe man ihn bei einer außerordentlichen Versammlung mit rund 100 Mitgliedern abgewählt. „Ich bedauere, dass die Situation so aus dem Ruder gelaufen ist. Herr Hattermann hat sich viele Jahre gut eingebracht“, sagt Tatge. Er wünscht ihm viel Erfolg mit dem neuen Verein.

Info: Hallenzeiten

Die Vergabe der freien Zeiten in städtischen Sporthallen ist Aufgabe der Bezirksämter. Dabei gibt es eine klare Rangfolge, erklärt Norman Cordes vom Bezirksamt Mitte. Zuerst werden Mitglieder des Hamburger Sportbundes berücksichtigt, dann Vereine, Institutionen und Organisationen aus Wilhelmsburg. Zum Schluss kommen Dritte. „Der SC Wilhelmsburg ist noch nicht ins Vereinsregis-ter eingetragen, also fällt er unter die Kategorie ,Dritte’“, sagt Cordes. Grundsätzlich sei man nicht abgeneigt dem neuen Verein Hallenzeiten zu geben, es müsse jedoch klar sein, wie viele Mitglieder die Kurse besuchen werden. „Wichtig ist, die Hallenzeiten mit vielen Mitgliedern auszulasten“, sagt Cordes.
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Horatiu - Thomas Reinhardt aus Harburg | 10.12.2014 | 15:52  
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