Wilhelmsburg: Der Auslöser ist die Ursache des Missmutes

Wilhelmsburg, die große Baustelle im Süden Hamburgs
Eigentlich, da sind sich wohl alle einig, ist nicht alles schlecht was sich gerade auf der Elbinsel tut.
Allerdings wünschten sich die Wilhelmsburger, dieser Aufschwung würde nicht ausschließlich der IGS und IBA gelten. Jahrzehnte war dieser Stadtteil, der aktuell über 50.000 Einwohner beherbergt, davon über die Hälfte mit Migrationshintergrund, Hamburgs Stiefkind. Nun, plötzlich, bekam Hamburg den Zuschlag für die begehrten Ausstellungen und schon rückt das Stiefkind ins Rampenlicht. Aus Aschenputtel muss in verhältnismäßig kurzer Zeit eine wunderschöne Prinzessin werden.
Und genau hier beginnt das Problem. Die Ideen zur Insel-Verschönerung werden nicht nach und nach umgesetzt, sondern alle gleichzeitig. Die Zeit drängt. Im Frühjahr 2013 muss alles auf Hochglanz sein!
Wilhelmsburg gleicht einer riesigen Baustelle, die bis 2013 erhalten bleibt. Das tägliche Leben der Einwohner gerät aus den Fugen. Immer wieder werden Straßen gesperrt, freigegeben und wieder gesperrt. Das Einkaufszentrum, und gemütlicher Treffpunkt, wird teilweise wegen Sanierungsarbeiten geräumt und steht dann Monate lang leer - ohne dass sich etwas tut. Die Lebensqualität sinkt auf ein Minimum. Jedenfalls fühlt es sich für die Einwohner so an.
Da fragen sie sich doch mit Recht nach dem Sinn. Ändern Verschönerungen des Umfeldes wirklich das eigentliche Problem? Gut, die Kriminalität ist im letzten Jahr gesunken, aber liegt dies an dem geplanten Aufschwung? Wohl kaum, denn davon ist zurzeit noch nichts zu merken.
Die Wohnungen, die sich im Bau befinden, sind bereits verkauft. Eine gute Nachricht, denn so kommen Einwohner in die Statistik, die finanziell abgesichert sind. Aber auch wenn hierdurch der Prozentsatz von 25,5 der Hartz 4 Empfänger sinkt, bleiben die 12.800 Wilhelmsburger ohne Job erhalten. Darunter Jugendliche ohne Perspektive. Die Edelsiedlung Am Inselpark steht im krassen Gegensatz zur Siedlung Kirchdorf-Süd, die nur einen Steinwurf entfernt liegt.
Was ist nach der Ausstellung? Gerät Wilhelmsburg dann wieder in Vergessenheit? Werden die Verschönerungen später auch noch gepflegt - oder fehlt Hamburg dann das Geld?
Was ist mit der eigentlichen Wohnqualität, die nicht unbedingt mit dem Umfeld zu tun hat?
Die Hausbetreuerlogen in den Hochhäusern waren ein guter Anfang das Wohnen in Wilhelmsburg sicherer und ein wenig komfortabler zu machen. Dies war eine Neuerung, die den Mietern zu Gute kommt. Ein handwerklich geschickter Hausbetreuer kann auch mal die eine oder andere Reparatur ausführen. Allerdings werden die Arbeitsplätze, die hierdurch entstehen, durch 1-Euro-Jobs belegt. Von zusätzlichen Arbeitsplätzen ist also keine Rede. Hier könnte die Stadt ein Exempel statuieren und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mehr Sicherheit in Hochhäusern und zusätzliche Arbeitsplätze!
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2 Kommentare
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Jonathan S aus Wilhelmsburg | 23.10.2011 | 19:46  
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Susann Schwichtenberg aus Heimfeld | 10.11.2011 | 13:33  
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