Wiedersehen nach 60 Jahren

Klassentreffen der Schule Kurdamm „Licht Liebe Leben“

Angela Dietz, Wilhelmsburg

Im Saal des „Wilhelmsburger Hofs“ stehen kleine Grüppchen zusammen. Mehr als 50 Leute umarmen einander, schütteln Hände und lachen. 60 Jahre ist es her, dass die Mittsiebziger Hanna Koopmann, Karin Vater, Bärbel Geissler und Wolfgang Propp an der Schule am Kurdamm ihren Volksschulabschluss gemacht haben.
Ein Pfiff gellt durchs Restaurant. Augenblicklich verstummen alle und schauen zur „Pfeifkünstlerin“ Karin Vater. „Wir sind total begeistert, dass so viele gekommen sind!“, sagt sie. Die ehemalige Einzelhandelskauffrau und ihre Mitstreiterinnen Bärbel Geissler und Hanna Koopmann haben das Wiedersehen organisiert.
„In den ersten Schuljahren gab es eine Schulspeisung“, erzählt Rolf Albrecht, „wir waren ja alle Kriegskinder und schlecht ernährt.“ Auch an einen Lehrer, der schlug, erinnert er sich. „Der nahm dazu seinen Krückstock.“
Viele wohnen noch in Hamburg, einige wenige sind weiter weggezogen, wie Wolfgang Propp. Als Berufssoldat war er 1962 im Einsatz bei der Flutka-
tastrophe. 1968 wurde er nach Karlsruhe versetzt, heute lebt er bei Limburg.
Hört man sich unter den Gäs- ten um, fällt häufig der Name
Frida Küster. Hanna Koopmann, die in Frankfurt und zwei Jahre in Kuwait gelebt hat, jetzt in Moisburg wohnt, schwärmt von den jährlichen Klassenreisen – damals etwas besonderes: „In der Heide waren wir, im Weserbergland und im Harz.“
Henning Blöcker dagegen mochte „Fräulein Küster“ nicht so gern. Wer auf der Klassenfahrt trotz Hungers den wenig
schmackhaften Reis nicht essen wollte, musste abwaschen. „Nett war sie nicht unbedingt“, entgegnet Hanna Koopmann, „aber sie hat tolle Sachen gemacht.“
Viele Stichworte aus vergangenen Tagen kursieren: das Plumpsklo, gab es das überhaupt, Scharlach, Theateraufführungen auf Englisch, Lebertran, den alle Kinder vom selben Löffel bekamen und ein Geige spielender Lehrer.
„Toller Lehrer“, findet Blöcker noch heute, der Klassenlehrer Saevecke. Er spielte den älteren Schülern morgens etwas auf seiner Geige vor – was gut ankam. Besonders gern erinnern sich die Zwillinge Lisa und Rita, geborene Junker, jedoch daran, wie sie ihn „veräppelt“ haben. „Er hat uns immer verwechselt“, erzählt Rita Wilke, heute noch kichernd. „Wenn eine was nicht wusste, ist die andere aufgestanden, obwohl sie nicht gefragt war!“

Licht Liebe Leben
„Licht Liebe Leben“ stand über dem Portal der Schule. Ein besonderes Motto für eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründete Schule. Es stammt vom Dichter, Philosophen und Pädagogen Johann Gottfried Herder (1744-1803). Der Leitspruch ziert auch Herders Grabstein in Weimar.
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