Wer kann schwimmen?

 
Frank Rohweder von der Grundschule Stübenhofer Weg wünscht sich, dass mehr Eltern mit ihren Kindern ins Schwimmbad gehen. Foto: pr

Wilhelmsburger Lehrer fordern: Eltern sollten mit ihren Kindern häufiger in die Schwimmhalle gehen

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg

Viele Hamburger Grundschüler können nicht schwimmen. Lediglich 83 Prozent haben am Ende der 4. Klasse das Seepferdchen-Abzeichen abgelegt. 53 Prozent davon verfügen über ein Bronzeabzeichen (früher „Freischwimmer“). Und das trotz eines vor zweieinhalb Jahren von der Schulbehörde eingeführten Konzepts, das den Schülern mehr Betreuung und zusätzliche Förderung bietet.
Außerdem war der Schwimmunterricht von der 5./6. Klasse in die Grundschulzeit verlegt worden, sodass die Grundschulen jetzt zwei Halbjahre Schwimmen anbieten – statt wie bisher eines. In den ärmeren Stadtteilen ist der Anteil der Nichtschwimmer offenbar besonders hoch: Laut einer Anfrage der Linken in der Bürgerschaft liegt der Wert bis zu 20 Mal über dem von etwa Blankenese.
Wie sieht es auf der Elbinsel aus? Das Wochenblatt hat bei sämtlichen Grundschulen vor Ort nachgefragt und dreimal Antwort bekommen: „Das Problem ist, dass der größte Teil unserer Kinder in den Drittklässler-Schwimmunterricht mit wenig oder keiner Wasservorerfahrung startet“, sagt Frank Rohweder, stellvertretender Leiter der Grundschule Stübenhofer Weg.
„Wir würden es deshalb als Schule begrüßen, wenn unsere Eltern in ihrer Freizeit mehr mit ihren Kindern in die Schwimmhalle gehen würden und sich dadurch die Wassergewöhnung möglichst früh anbahnt. Trotz der Bemühungen des Bäderlandes können am Ende des dritten Schuljahres nur 20 Prozent unserer Schüler sicher schwimmen. Wie die Bilanz Ende der 4. Klasse aussieht, muss abgewartet werden.“
Jörg Kallmeyer (Leiter Stadtteilschule Wilhelmsburg): „Seitdem die Behörde das Schulschwimmen an die Bäderland ausgelagert hat, ist es mit der Schwimmfähigkeit nicht besser geworden. Die Betreuung ist schlecht, es ist ein anonymer Massenbetrieb.“ Die STS Wilhelmsburg unterhält – als einzige Schule im Stadtteil – ein eigenes Förderprogramm für wasserscheue Kinder, das auf freiwilliger Basis funktioniert.
Regine Seemann (Leiterin der Schule an der Burgweide): „Das Problem sind unsere geistig behinderten Kinder. Wir haben etwa zwei bis drei pro Lerngruppe. Damit sind die Lehrkräfte von Bäderland überfordert. Man bräuchte viel mehr Personal.“

Behörde zum Schwimmunterricht: Bessere Betreuung, frühere Förderung“

Zur Kritik der Schulleiter äußert sich Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, wie folgt: „Die Ausweitung des Schwimmunterrichts in der Primarstufe auf zwei Schwimmlernphasen wurde bereits durch eine deutlich bessere Personalausstattung ergänzt. Während der Schwimmunterricht in den Klassenstufen 5 und 6 von einer Fachkraft pro Lerngruppe erteilt wurde, werden in der Grundschulzeit jeweils zwei Lerngruppen von drei und teilweise vier Fachkräften unterrichtet.“
Zum Thema „Inklusion“ erhielten die Bäderland-Schwimmlehrer regelmäßig Fortbildungen. Außerdem gebe es spezielle Schulbegleiter für Kinder mit starker Beeinträchtigung, die auch im Schwimmbad dabei seien. Um Kinder frühzeitig ans Wasser zu gewöhnen, habe die Behörde gemeinsam mit der Bäderland, dem Hamburger Schwimmverband, der DLRG und der Unfallkasse Nord die Initiative „Ab ins Wasser – aber sicher“ ins Leben gerufen. „Geboten werden gestaffelte Kurse, beginnend mit dem Vorschul-Pinguin“, so Albrecht. Aktuell werde das Programm, eine Ausweitung der Kita-Schwimmkurse, behördenintern ausgewertet.

Soziales Gefälle

Wenn in der Schule in der dritten Klasse der Schwimmunterricht startet, sind auf der Veddel und in Wilhelmsburg bis zu neun von zehn Kindern Schwimmanfänger. In den Walddörfern hat zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte der Klasse bereits das „Seepferdchen“.
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