Wenn’s im Leben schief läuft und die Seele leidet...

Hier muss niemand seinen Namen sagen: Die Lotse-Beratungsstelle in der Fährstraße 70 bietet auch anonyme Beratung. Foto: pr

...hilft die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle „Lotse“ – schon seit 40 Jahren

Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg

Sie mussten lange um jede Mark kämpfen, bis sich die Einsicht durchsetzte: Das ist eine nützliche Einrichtung. 1977 als Modellprojekt gestartet, feiert feiert die „Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle Lotse“ jetzt ihren 40. Geburtstag. Allein in den vergangenen zehn Jahren suchten mehr als 3.500 Menschen die Beratungsstelle mit dem etwas sperrigen Namen auf, weil sie Unterstützung in schwierigen Lebenslagen oder bei seelischen Problemen brauchten.
Als die „Lotse“-Beratungsstelle in der Fährstraße 70 die Arbeit aufnahm, war sie die erste ihrer Art in Hamburg. In ganz Deutschland gab es nur wenige Einrichtungen, die Menschen unbürokratisch dort halfen, wo sie lebten, ohne Überweisungsschein und ewig lange Wartelisten.
Es geht auch ohne Anmeldung und Warteliste
Dabei können die speziell ausgebildeten Sozialpädagogen und Psychologen den meisten Hilfesuchenden schon beim ersten Besuch (zirka 57 Prozent), vielen mit bis zu zehn Besuchen (43 Prozent) helfen. Dass die Beratung nötig ist, zeigen ständig steigende Besucherzahlen: Durchschnittlich kommen jedes Jahr acht Prozent mehr Hilfesuchende. Und: Wer dort einmal Unterstützung bekam, kommt wieder, wenn es wieder Probleme gibt: Zirka ein Viertel der Besucher kommen regelmäßig mehrmals im Jahr oder immer wieder.
Der große Vorteil des „Lotsen“ im Vergleich zu anderen Beratungsstellen und niedergelassenen Psychologen und Psychiatern: Hier gibt’s eine offene Sprechstunde ohne Anmeldung und Wartelisten, und auch telefonische Beratung geht. Der Lotse bietet auch kurzfristig Beratungsgespräche, wenn die Krise schon da ist, der Kummer aktuell über dem Menschen zusammenzubrechen droht. Das ist in Stadtteilen wie Wilhelmsburg mit „lückenhafter psychologischer und medizinischer Versorgung“, wie der Harburger Trägerverein „Der Hafen“ die Lage beschreibt, natürlich auch heute noch besonders wichtig, sagt Hafen-Geschäftsführerin Frauke Hennings.
Beratung wird auch auf Türkisch angeboten
Neben der Sozialberatung sind es vor allem vertrauliche Beratungsgespräche zu Ängsten, Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen, die den Großteil der Lotse-Arbeit ausmachen. Dazu gibt es Gruppenangebote, wie zum Beispiel das „soziale Kompetenztraining“ oder die Atemgruppe für türkische Frauen.
Die Migranten-Beratung findet teilweise in der Herkunftssprache, vor allem auf Türkisch, statt. Zirka 40 Prozent der Besucher haben ausländische Wurzeln. Die Leistung ist immer kostenlos und auf Wunsch auch anonym.
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