Von Grönhökern und Schiffszimmerern

Karin Michalek (79) mit einem Familienfoto ihrer Ahnen, den Heitmanns, auf den Knien. Foto: AD

Karin Michaleks Urgroßvater erlebte an Bord der Korvette „Hertha“ 1869
die Eröffnung des Suezkanals

Angela Dietz, Wilhelmsburg
Karin Michalek sitzt in ihrem Wohnzimmer, ein modernes Tablet auf den Knien. Die geborene Heitmann legt es weg und fängt an, in einer Stammbaum-Mappe zu blättern. Seit dem 18. Jahrhundert ist ihre Familiengeschichte eng mit Wilhelmsburgs Historie der Milchbauern und Schiffszimmerer verbunden. Ihre Vorfahren wanderten als Tagelöhner, Grünhöker und Milcher auf die damals hannoversche Elbinsel.
„Meine Ur-Urgroßmutter mütterlicherseits war die „Gemüsehökerin Catharina Albers“, erzählt die 79-jährige Karin Michalek. „Früh verwitwet, verkaufte sie ab den 1870er Jahren in Hamburg auf dem Hopfenmarkt Gemüse.“ Dabei stellte sich Catharina so geschickt an, dass sie auch vornehme Herrschaften aus Winterhude als Stammkundschaft gewinnen konnte. Ihre gold- und silberbestickten Hauben sind heute im Museum der Elbinsel ausgestellt.
Als Urgroßvater Johann Peter Heitmann, ein Schiffszimmerer, von der Kaiserlichen Marine aufgenommen wurde, galt: „De nich um Kap Horn un Kap de Goden Hoffnung rümseilt is, ward keen goden Schippstimmermann.“
Bei einer Weltumsegelung erlebte er an Bord der Korvette Hertha die Eröffnungsfeier des Suezkanals am 17. November 1869.Sage und schreibe sieben Kinder und 23 Enkel hatten Johann und Margaretha Heitmann, geborene Albers. Einer ihrer Söhne, ebenfalls Schiffszimmerer, ist Willi und dessen Sohn Karl, Kuddel Heitmann, Karin Michaleks Vater.
Er blieb dem Schiffsbau treu und lernte Elektriker auf der Vulcan Werft im Roßhafen.
Gattin Else, Karins Mutter, ist eine Tochter vom Cousin des Werftbesitzers Oelkers. Auf ihre Familiengeschichte, besonders den Vater Karl, ist das einzige Kind Karin stolz „Er hat nie aufgegeben, hat zweimal ein Haus gebaut“, sagt sie und lächelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, die Wohnung in der Veringstraße ist zerstört, baut er ein kleines Haus am Kanal. Karin klopft im Alter von neuen Jahren Steine und mischt den Zement an.
1962 entkommt die Familie den Wassermassen der Sturmflutkatastrophe im letzten Moment. Mutter Else hat die Papiere in einer Dose unterm Arm. Als sie diese öffnet, ist sie leer. Sie hat die falsche erwischt. „Das Haus war kaputt“, berichtet die Rentnerin. „Aber mein Vater hat alles wieder aufgebaut.“

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