Vom gemütlichen Treffpunkt zum Schandfleck?

Leere Läden ...
Hamburg: Einkaufszentrum Wilhelmsburg | Verliert Wilhelmsburg immer mehr an seinen Werten?
Es ist noch gar nicht lange her, da war das Einkaufszentrum an der S-Bahn Wilhelmsburg ein beliebter Treffpunkt der Bevölkerung. Mehrmals im Jahr veranstalteten die Werbegemeinschaft und der Eiscafebesitzer „Pino“ Feste, die auch Gäste von den anderen Elbseiten auf die Insel lockten. Es wurden Flohmärkte organisiert und Musikprogramme mit Künstlern - nicht nur aus Hamburg.
Willi Wacker mit seiner Hommage an unsere Elbinsel „Moin, moin, mein Wilhelmsburg“ war fast immer dabei. Aber auch Barry Lane, Nickey Barker, Big Harry, Inge Kronenburg, Joe Stufford sowie viele andere Künstler fanden den Weg über die Elbe um auf dem Marktplatz zu singen. Oftmals ging es abends im Eiscafe weiter.
Karussells und Jahrmarktsbuden rundeten das Programm für Groß und Klein ab.
Aber was ist heute? Da wo das Leben tobte stehen wir jetzt vor leeren Läden. Viele Pachtverträge wurden gekündigt oder nicht verlängert, weil die Ladenzeile modernisiert werden soll. Seit Wochen, nein Monaten, gleicht der einst beliebte Treffpunkt eher einem Schandfleck. Von Sanierungsarbeiten ist nichts zu sehen.
Das Eiscafe war für viele Kirchdorfer ein nahegelegener Ausflugsort. Bei schönem Wetter saß man im Freien und beobachtete das Leben auf dem Marktplatz oder hielt einen Klönschnack mit anderen Gästen. Im Winter war es ein Treffpunkt bei Kaffee und Kuchen in gepflegter Atmosphäre. Sucht man heute etwas Vergleichbares, dann muss man die Insel verlassen. Aber dann trifft man nicht auf Freunde, Bekannte, Nachbarn.
Immer wieder liest man von einer angestrebten Aufwertung der Lebensqualität auf der Elbinsel. Wie verträgt es sich damit, dass immer mehr an Lebensraum genommen wird? Wilhelmsburg hat kein Kino mehr (1960 waren es noch 2). Als am 12. Februar 1987 die Discothek PENNY LANE abbrannte, verloren Kirchdorf, Moorwerder und Alt-Wilhelmsburg den Treffpunkt für junge Leute.
Nun ist auch der letzte Treffpunkt, das Eiscafe, geschlossen. Es musste den Plänen von Stadtentwicklern weichen, die vermutlich Wilhelmsburg nur vom Plan kennen und nichts von der Mentalität der Einwohner wissen. Geht es überhaupt um die Wilhelmsburger? Geht es nicht einzig und allein um IGA und IBA? Sanierung gut und schön, aber dann sollte diese im Sinne der Bevölkerung und zügig durchgeführt werden. Ein Leerstand der Läden bringt nur Verdruss! Gewerbetreibende werden dadurch abgeschreckt. Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer wird es, dort anzuknüpfen wo die Sanierungspläne ein Ende setzten.
Wilhelmsburg gab immer viel auf seine Eigenständigkeit. Den Bewohnern fiel es schwer die Elbe zu überqueren. Es war - und ist größtenteils auch heute noch - ein Völkchen für sich, das gern am dörflichen Flair festhält und nicht in der Anonymität der Großstadt versinken möchte. Nun soll es zum Aushängeschild für Projekte werden, von denen Hamburg sich Rendite verspricht – ausgetragen auf dem Rücken der Menschen, die sich auf der Insel zuhause fühlen.
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
269
Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 14.10.2011 | 00:27  
506
Eva Maria Schnoor aus Wilhelmsburg | 14.10.2011 | 20:17  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.