Verschwundene Bilder und eine Gerüch(t)eküche

Weil Unbekannte ihre Bilder von der Wand gerissen haben, hat Ursula Steuler sie mit Kommentaren zu ihrer Performance „Constructing a House of Harmony“ ersetzt. (Foto: as)

Halbzeit bei Rialto, Rialto: Noch bis November bespielen Künstler die Fassade des ehemaligen Kinos

Anna Sosnowski, Wilhelmsburg- Sorgfältig streicht Ursula Steuler die mit schwarzen Buchstaben bedruckten Zettel glatt. Eigentlich sollten an der rosa gestrichenen Wand im Vogelhüttendeich 30, hinter der sich das ehemalige Rialto Kino verbirgt, Fotos ihrer Kunstaktion „Constructing a House of Harmony“ kleben, doch die sind verschwunden. „Ich denke, da war ein Kunstkritiker am Werk“, sagt die Künstlerin, die den Diebstahl gar nicht schlimm findet. Denn statt der Bilder prangen jetzt Kommentare zu ihrer Kunstaktion an der Wand. Sie hatte auf dem Stübenplatz mit ein paar Frauen aus Latten und Bändern ein Haus gebaut, das Harmonie und Gemeinschaft symbolisieren sollte.
Auch Elisabeth Richnow sieht den Vorfall gelassen. „Manchmal entwickeln sich Projekte anders als man denkt. Das ist so bei Kunst im öffentlichen Raum“, sagt die Initiatorin des Projektes „Rialto, Rialto“, bei dem von Mai bis November Künstler die leere Wand vor dem ehemaligen Kino im Reiherstiegviertel bespielen. Die Reaktionen seien bisher positiv gewesen, sagt Richnow. Interessiert hätten Passanten zum Beispiel Leonid Kherloamovs Performance „I get a Message“ bestaunt. Der Künstler hatte hinter der Wand einen für Blinde bearbeiteten Film vorgespielt, um so „Kino im Kopf“ zu erzeugen.
Am 12. September kocht die Gerüch(t)eküche. Für Richnow steht das Rialto, als Ort der sich verändert, exemplarisch für Wilhelmsburg. Die teilnehmenden Künstler setzen sich auf ihre Arte damit auseinander, greifen verschiedene Aspekt auf. „Die Veränderungen sind hier im Moment rasant. Ich be-obachte das mit gemischten Gefühlen“, sagt die Künstlerin, die auf St. Pauli lebt und seit zwölf Jahren auf der Elbinsel Projekte macht.
Vieles würde sich zum Besseren verändern, auch wenn sie einiges vermisse. „Ich arbeite gerne mit Brachen und Freiräumen, die gibt es hier kaum noch“, erklärt Richnow. Die Rialto-Wand sei so ein Ort. „Keiner weiß, was sich dahinter versteckt und was noch kommt“, sagt die Künstlerin.
Mit der Zukunft des ehemaligen Kinos beschäftigt sich ihrer Kunstperformance, zu der sie am Freitag, 12. September, ab 19 Uhr lädt.
„Gerüch(t)eküche“, so nennt die Künstlerin das Event, spielt auf die Gerüchte an, die im Stadtteil über die Zukunft des Kinos kursieren, aber auch auf die
leckeren Düfte des Essens, zu dem sie Besucher vor der Wand – bei Regen im benachbarten Westend – einlädt.
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